Die Nato wird ihren Einsatz in Afghanistan vorerst fortsetzen. Deutschland und die anderen Alliierten haben sich offenbar darauf verständigt, beim Verteidigungsministertreffen am Mittwoch und Donnerstag keine Entscheidung über den Abzug der noch rund 10.000 Soldaten im Land zu treffen. »Ich gehe davon aus, dass es beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in dieser Wochen nicht zu einer definitiven Entscheidung, sprich Abzug der Nato-Truppen zum 30. April 2021 kommen wird«, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Stattdessen sollen die militant-islamistischen Taliban noch einmal zu einer Reduzierung der Gewalt und weiteren Anstrengungen bei den Friedensverhandlungen mit der Regierung aufgefordert werden. Man wolle Afghanistan erst dann verlassen, wenn die Bedingungen dies zuließen, hieß es aus Bündniskreisen. Die insbesondere durch Taliban-Angriffe verursachte Gewalt untergrabe nach wie vor den Friedensprozess und müsse ein Ende haben.

Taliban drohen mit »großem Krieg«

Hochrangige Militärs warnten in Berlin nun vor neuen Angriffen der Taliban, auch auf Bundeswehr-Soldaten. Den Aufständischen war von den USA eigentlich über das sogenannte Doha-Abkommen ein Abzug aller ausländischen Soldaten bis Ende April in Aussicht gestellt worden, um sie zu Friedensgesprächen und einer signifikanten Reduzierung der Gewalt in dem Land zu bewegen.

Mit ihrem Kurs nehmen die Nato-Staaten in Kauf, dass die Taliban nach einer langen Pause auch wieder internationale Truppen angreifen. »Wenn das Doha-Abkommen aufgekündigt wird, wird dies zu einem großen Krieg führen«, hieß es Anfang Februar von der Gruppe.

Nach Angaben aus Bündniskreisen soll noch versucht werden, die Taliban dazu zu bewegen, eine Verschiebung der Frist für den Truppenabzug zu akzeptieren – offiziell prüft die neue US-Regierung noch immer einen möglichen Abzug bis Ende April. Ob diese Strategie funktioniert, ist aber völlig offen. Nach Einschätzung von Experten könnten die Taliban versucht sein,…