Der Impeachment-Prozess gegen den früheren US-Präsidenten Donald Trump wegen der Kapitol-Erstürmung wird länger dauern als zuletzt erwartet. Die Ankläger der Demokraten beantragten im Senat, mindestens eine Zeugin vorzuladen. Der demokratische Abgeordnete und Anklageführer Jamie Raskin sagte, er wolle die republikanische Abgeordnete Jaime Herrera Beutler und möglicherweise weitere Zeugen befragen.

Zeugin könnte Trump erneut belasten

Raskin forderte, die republikanische Abgeordnete eine Stunde lang per Videoschalte anzuhören. Trumps Verteidiger lehnten ab, doch stimmten alle demokratischen Senatoren und einige Republikaner im Grundsatz für die Anhörung – wodurch sich das Verfahren verzögern dürfte.

Kann die Aussage von Jaime Herrera Beutler die Wende bringen?

Die Abgeordnete Beutler hatte in der Nacht zum Samstag über ein Telefonat zwischen Trump und dem republikanischen Minderheitsführer in der Kongresskammer, Kevin McCarthy, während der Erstürmung des Kapitols berichtet und damit den Ex-Präsidenten erneut belastet. Demnach versuchte McCarthy Trump am 6. Januar zu überzeugen, die Angreifer zu einem Rückzug aus dem Kapitol aufzurufen. Trump habe dies verweigert und zunächst Antifa-Aktivisten verantwortlich gemacht. Als McCarthy dies zurückgewiesen und erklärt habe, es handle sich Trump-Anhänger, habe der damalige Präsident gesagt: „Nun, Kevin, ich denke, diese Leute sind aufgebrachter über die Wahl als du.“

Abstimmung im Chaos

Bei der Abstimmung über mögliche Zeugenaussagen brach Chaos aus: Der Senat votierte mit einer Mehrheit von 55 zu 45 Stimmen dafür. Auch fünf von Trumps Republikanern stimmten mit ja. Allerdings war dann zunächst unklar, worüber genau abgestimmt worden war: Über eine Debatte über Zeugenbefragungen, über eine Zustimmung zu Zeugenbefragungen durch die Demokraten oder über eine Zustimmung zu Zeugenbefragungen allgemein. Selbst ein Senator fragte nach der Abstimmung, worüber eigentlich abgestimmt worden war. Auch…