Alle gegen einen – so verläuft der Wahlkampf im spanischen Katalonien vor der Regionalwahl am Sonntag. Salvador Illa, bis vor ein paar Tagen noch Gesundheitsminister in Madrid, tritt für die Sozialisten an. Seither steigen die Umfragewerte für seine Partei massiv: Sie liegt nun gleichauf mit den Separatisten, in einigen führt sie sogar. In Spanien spricht man vom »efecto Illa« – vom Illa-Effekt also.

Der Kandidat Illa will die Gesellschaft nach Jahren des Konflikts einen. Seit dem Konflikt um das illegale Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober 2017 ist die Bevölkerung in Katalonien noch immer tief gespalten: Auf der einen Seite stehen die Anhänger der Separatisten, auf der anderen Seite die Spanientreuen. Noch immer sind mehrere Separatistenführer im Gefängnis.

Eines hat Illa bereits geschafft: Gegner und Befürworter der Unabhängigkeit attackieren nun vor allem ihn. Die separatistischen Parteien sehen sich von seinem Aufstieg dermaßen bedroht, dass sie schriftlich ausgeschlossen haben, mit ihm zu kooperieren. Selbst wenn Illa die meisten Stimmen erhalten sollte, könnte es schwer für ihn werden, eine Mehrheit im Parlament zu finden. Doch schon wenn er mit seiner Partei eine neue Regionalregierung nur unterstützen würde, könnte er den Katalonienkonflikt damit beruhigen.

Im Interview spricht Illa über seine Pläne für die gespaltene katalanische Gesellschaft – und seine eigene Identität.

SPIEGEL: Herr Illa, bis vor ein paar Wochen waren Sie als spanischer Gesundheitsminister dafür verantwortlich, die Pandemie einzudämmen. Gelungen ist Ihnen das kaum. In Spanien sind mehr als 60.000 Menschen an oder mit Corona gestorben, das Land durchlebt eine schreckliche dritte Welle. Trotzdem sind Sie kurz vor der Wahl in Katalonien der beliebteste Kandidat. Wie konnte das passieren?

Salvador Illa: Natürlich haben wir Fehler gemacht. Aber das ist allen passiert, auch den Verantwortlichen in Deutschland, dessen Bürger es nun gerade hart trifft. Als…