Im Impeachment-Prozess gegen den früheren US-Präsidenten Donald Trump werden nun doch keine Zeugen befragt. Demokraten und Republikaner einigten sich entgegen der vorherigen Ankündigung einer Zuschaltung der Zeugin Jaime Herrera Beutler per Video darauf, lediglich eine schriftliche Erklärung der republikanischen Abgeordneten als Beweisdokument aufzunehmen.

Anklageführer Jamie Raskin begann direkt im Anschluss mit seinem Schlussplädoyer. Ankläger und Trump-Verteidiger haben jeweils zwei Stunden Zeit für ihre Schlussbemerkungen. Das Verfahren über die Verantwortung Trumps für die Erstürmung des Kapitols am 6. Januar könnte damit noch am Samstag zu Ende gehen.

Zuvor hatte sich die Parlamentskammer überraschend für die grundsätzliche Möglichkeit ausgesprochen, Zeugen zu hören. Dabei ging es vor allem um ein Telefongespräch Trumps mit dem republikanischen Minderheitsführer in der Kongresskammer, Kevin McCarthy während der Erstürmung.

Zu diesem Telefonat, das Trump wegen angeblich gleichgültiger Äußerungen zum Sturm auf das Kapitol vermutlich weiter belasten könnte, wollten Ankläger die republikanische Abgeordnete Jaime Herrera Beutler anhören. Ihre Stellungnahme wurde nun schriftlich in die Beweisaufnahme eingebracht.

Trump soll beim Sturm aufs Kapitol bewusst nicht eingeschritten sein

Nach Aussage Beutlers soll Trump McCarthys Hilferufe während des Sturms auf das Kapitol ignoriert haben. Während McCarthy der Schilderung zufolge Trump in dem Gespräch mit Nachdruck aufforderte, einzuschreiten und seine Anhänger sofort zur Umkehr aufzufordern, soll Trump sich gleichgültig gezeigt haben: »Nun, Kevin, ich denke, diese Leute sind aufgebrachter über die Wahl als du.«

Trumps Verteidiger Michael van der Veen hatte die Anhörung weiterer Zeugen strikt abgelehnt. Falls Zeugen vorgeladen würden, würde er »mehr als hundert Aussagen« brauchen, »nicht nur eine«, sagte der Anwalt.

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