Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) erhielt seine Erstimpfung gegen Covid-19, obwohl der 63-Jährige nach dem Impfplan noch nicht an der Reihe war. Seitdem Wiegand die Impfung vor einer Woche eingeräumt hat, mehrt sich die Kritik am Oberbürgermeister. In einer Sondersitzung des Stadtrats am Freitagabend äußerten einige Mitglieder ihr Unverständnis und ihren Ärger über das Gebaren Wiegands im Zusammenhang mit seiner vorzeitigen Impfung. Immer wieder wurden Rücktrittsforderungen laut.

Anders als von Wiegand behauptet, seien nicht alle Mitglieder des Stadtrats über das Verfahren mit Impfresten informiert worden. Das gaben mehrere Politiker aus den Reihen der CDU, AfD, SPD, FDP und der Grünen an. Yana Mark (FDP) bat den OB entsprechende Mails vorzulegen. Obwohl sie mehrfach wiederholte, ihre zwei Parteikollegen seien mit deren Offenlegung einverstanden, lehnte Wiegand dies mit Verweis auf eventuelle Konflikte mit dem Persönlichkeitsrecht ab.

»Wer hat mich – verdammt noch mal – auf die Liste gesetzt?«, fragte Tom Wolter (MitBürger & Die Partei) in Richtung des Bürgermeisters. Er habe keine Kenntnis von einem Ad-hoc-Verfahren oder einem »Zufallsgenerator« gehabt.

Impfdosen per Zufallsgenerator verteilt

Wiegand hatte vor etwa einer Woche eingeräumt, dass er und zehn Stadträte bereits eine Impfung bekommen hatten. Der Oberbürgermeister hatte gesagt, er und seine Mitarbeiter seien aus übrig gebliebenen Dosen geimpft worden. Das Impfteam versuche bei solchen Resten, zunächst Angehörige der ersten Prioritätsgruppe zu erreichen. Gelinge das nicht, würden aus einem Pool von Mitarbeitern der Stadt, von Rettungsdiensten und Fachärzten zufällig Kandidaten für die sogenannte Ad-hoc-Impfung ermittelt. 585 Menschen seien bis dato in Halle mit übrig gebliebenen Dosen geimpft worden, so Wiegand. Demnach wurden übrig gebliebene Impfdosen in Halle wochenlang per Zufallsgenerator zugeteilt.

Am 17. Januar habe ihn das Impfteam angerufen und in einem…