Recep Tayyip Erdoğan beeindruckt gern mit Größe. Bei seinen Reden setzt er auf dramatische Inszenierungen, lässt dabei auch schon mal kriegerische Filmmusik laufen oder hält eine Rede in der als Moschee geweihten Hagia Sophia, während gleichzeitig auf einer riesigen Leinwand die Eroberung Konstantinopels – des heutigen Istanbul – nachgezeichnet wird. Bei so viel Hang zum großen Auftritt überrascht es kaum, dass auch das 100. Jahr der türkischen Republik zu einem besonderen Meilenstein in der Geschichte des Landes werden soll.

1923 wurde die heutige Türkei gegründet. Zum runden Jubiläum in zwei Jahren will der türkische Präsident einige ehrgeizige Ziele erreicht haben. So soll die Türkei 2023 zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt zählen. Auch das umstrittene Bauprojekt Kanal Istanbul soll in dem Jahr in weiten Teilen abgeschlossen werden. Beides scheint derzeit jedoch wenig realistisch.

Beim Ranking nach Wirtschaftsleistung lag die Türkei zuletzt auf Platz 20. Sie steckt mitten in einer wirtschaftlichen Krise, mit dem Bau des Kanalprojekts wurde noch nicht mal begonnen. Doch Erdoğan präsentiert schon das nächste große Ziel.