Brasiliens Gesundheitsminister Eduardo Pazuello steht unter Druck, sogar die Justiz seines Landes befasst sich gerade mit ihm. Er muss sich fragen lassen, ob er genug gegen den Corona-Ausbruch im Amazonasgebiet getan hat. In der Metropole Manaus war im Januar das Gesundheitssystem zusammengebrochen, in den Krankenhäusern fehlte der Sauerstoff für die Beatmung der Erkrankten. Im Amazonas hat sich in den vergangenen Wochen eine Coronavariante massiv ausgebreitet, die Seuchenschützern große Sorgen macht: Die Mutante P.1 weist mehrere Veränderungen am sogenannten Spike-Protein des Sars-CoV-2-Erregers auf, mit dessen Hilfe sich das Virus Zutritt zu den Zellen in einem befallenen Organismus verschafft.

Bei einer Rede im Senat in Brasília am Donnerstag verteidigte Pazuello nun nicht nur sein Agieren in der Krise, er präsentierte auch neue Informationen zum Erreger. Nach Auskunft des Ministers ist die Mutante dreimal ansteckender als das ursprüngliche Virus. Impfstoffe seien jedoch auch bei dieser Variante des Erregers wirksam. Der Politiker blieb aber genauere Informationen zu den entsprechenden Studien schuldig. Auch zur Frage, auf welche Impfstoffe sich seine Aussage bezog, gibt es keine Details.

Impfstoffe mit Notfallzulassung

In Brasilien ist die Corona-Impfkampagne lange verschleppt worden, vor allem wegen Widerstand von Präsident Jair Bolsonaro. Auch unter einem Teil der indigenen Bevölkerung gibt es Vorbehalte, oft angestachelt von evangelikalen Predigern. Inzwischen haben der Impfstoff von AstraZeneca und das Präparat Coronavac des chinesischen Herstellers Sinovac eine Notfallzulassung. An der Entwicklung von Coronavac ist auch die Forschungseinrichtung Instituto Butantan in São Paulo beteiligt. Von dort hieß es am Montag, dass der Impfstoff gegen die Amazonas-Variante des Coronavirus getestet werden würde. Ergebnisse lagen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vor. Allerdings hatte Coronavac bei Studien – ohne gesonderte Berücksichtigung der P.1-Mutante – nur…