Der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny kämpft seit Wochen gegen die russische Justiz an. Erst vor Kurzem wurde er zu mehreren Jahren Straflager verurteilt. In einer weiteren Gerichtsverhandlung um die angebliche Beleidigung eines Weltkriegsveteranen zeigte er sich nun kampflustig.

»Ich habe mich gefragt, warum man Sie ausgewählt hat für den Prozess«, sagte Nawalny am zweiten Prozesstag zu der Richterin. Sie habe wohl den Zuschlag bekommen, weil sie »die gewissenloseste Richterin der Welt« sei, höhnte der Kremlgegner. Er empfahl ihr eine Weiterbildung, um sich mit den russischen Gesetzen zu befassen.

Nawalny droht in dem aktuellen Prozess, der in der vergangenen Woche eröffnet worden war, eine Geldstrafe oder Zwangsarbeit. Die Verhandlung soll am kommenden Dienstag fortgesetzt werden.

Nawalny: Veteran ist »Marionette« in einem politisch motivierten Prozess

Hintergrund ist die Kritik des Oppositionspolitikers an einem im vergangenen Sommer in den Staatsmedien ausgestrahlten Video. Darin warben mehrere Bürger – unter anderem ein Veteran – für eine Verfassungsänderung, die auch der Machtsicherung von Präsident Wladimir Putin diente. »Schaut sie euch an: Sie sind die Schande des Landes«, schrieb Nawalny damals auf Twitter über die Menschen in dem Clip und beschimpfte sie als »Verräter«.

Ein 94-Jähriger, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatte, soll sich von den Äußerungen Nawalnys so sehr beleidigt gefühlt haben, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechterte. Das ist die Version der Anklage. Nawalnys Version hingegen lautet: Der Veteran sei eine »Marionette« in einem politisch motivierten Prozess. Der alte Mann habe bereits am ersten Verhandlungstag, als er per Video zugeschaltet war, den Fragen der Richterin geistig kaum folgen können, argumentierte Nawalny. Am zweiten Prozesstag trat der Veteran überhaupt nicht mehr selbst auf.

Stattdessen verlas die Staatsanwältin rund 20 Minuten seine Biografie und hob seine verdienstvollen Leistungen als…