Draghis neuer Auftrag

Es ist bei aller Sympathie nicht möglich, sich von Deutschland aus für jede Regierungskrise in Italien zu interessieren. Das ewige Chaos in Rom gehört zum Grundrauschen der EU dazu. In den vergangenen Jahren brachte dieses Chaos solche Mengen an EU-Kritik hervor, dass man kurz wieder aufmerksam wurde, ob hier die nächste Erschütterung Brüssels zu erwarten sei: Matteo Salvini, der ehemalige Innenminister und stellvertretende Ministerpräsident im Kabinett von Giuseppe Conte, wollte Schluss machen mit Italiens Mitgliedschaft in der EU. Und die Fünf-Sterne-Bewegung kritisierte, die EU sei eine reine Bankenunion geworden.

Wer dann wieder über diese sich ewig wiederholenden Parolen weggedämmert war und seine Aufmerksamkeit auf andere Themen gerichtet hat, dürfte jetzt hellwach geworden sein. Ausgerechnet Mario Draghi, der frühere Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), ist am vergangenen Mittwoch von Staatspräsident Sergio Mattarella beauftragt worden, eine Regierungs-Mehrheit zu suchen. Seitdem sondiert er. Und gestern nun hat die Fünf-Sterne-Bewegung in einer Onlineabstimmung dafür gestimmt, eine Expertenregierung des früheren EZB-Chefs zu unterstützen. Was für eine Wende.

Nach Draghi ist übrigens eine bestimme Reaktionsweise der Finanzmärkte benannt. Die durch die Eurokrise verunsicherten Märkte beruhigten sich, nachdem der EZB-Chef 2012 in London eine Rede gehalten hatte, in der sagte: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” („Im Rahmen unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird reichen.“)

Seither benennt der „Draghi-Effekt“ eine Wende zum Guten. Eine Wende, die eine Voraussetzung hat: Dass alles Mögliche getan wird (whatever it takes), damit eine Krise eingedämmt wird. Es wird jetzt äußert schwierig für Draghi werden, mit den tiefen Gegensätzen all der Parteien, mit denen er…