Yoshiro Moris Rücktritt war überfällig und absolut nötig. Wer sich so frauenfeindlich äußert wie der 83 Jahre alte frühere japanische Ministerpräsident in der vergangenen Woche, hat nichts an verantwortlicher Stelle zu suchen – weder an der Spitze des Organisationskomitees für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio noch sonst wo. Der Sturm der Entrüstung über Mori hat sich nicht gelegt, bis er selbst die Konsequenzen zog und seinen Hut nahm. Das ist ein gutes Zeichen. Ebenso, dass man nicht gleich Moris Wunschkandidaten, einen 84 Jahre alten früheren Fußball-Funktionär, als Nachfolger benannt hat. Frischer Wind muss dringend her. Und das nicht nur im Organisationskomitee in Tokio.

Bezeichnenderweise hatte sich Mori abfällig über Frauen geäußert, als es in einer Diskussionsrunde des Japanischen Olympischen Komitees darum ging, den Frauenanteil im Vorstand von 20 auf 40 Prozent zu verdoppeln. Noch immer haben im Sport weltweit auf der Ebene der Spitzenfunktionäre meist Männer das Sagen, viele von ihnen im Seniorenalter. Als Sinnbild dafür galt jahrzehntelang das Internationale Olympische Komitee.

Luft nach oben

Das IOC will dieses Image loswerden. In ungewohnt deutlicher Weise distanzierte sich das IOC von Mori und bezeichnete dessen frauenfeindliche Äußerungen als „unangemessen“. Sie passten, so das IOC, nicht zum eigenen Bestreben, in der Olympischen Bewegung für Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen. Dass dort noch Luft nach oben besteht, räumte die Organisation ein: Aktuell seien 37,5 Prozent der IOC-Mitglieder Frauen, im Vorstand liege der Anteil nur bei einem Drittel.

Stefan Nestler, DW Sport

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