Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich gegen den Vorwurf verwahrt, die Grenzen zu Tirol und Tschechien würden »dicht gemacht“. Im ZDF betonte er am Donnerstagabend, dass jeder, der aus Tirol oder Tschechien einreisen wolle, künftig nurmehr einen negativen Corona-Test vorlegen müsse. Es gebe dabei keine Ausnahme, so Söder in der Sendung »Markus Lanz«.

Die ansteckendere Coronavirus-Variante aus Großbritannien ist nach Angaben der bayerischen Landesregierung in einigen ostbayerischen Regionen bei Pendlern aus Tschechien bereits enorm verbreitet. Der Anteil der mutierten Variante bei positiven Corona-Tests betrage in Tirschenreuth rund 70 Prozent, in Wunsiedel mehr als 40 Prozent, sagte Söder. Beide Städte liegen nahe der tschechischen Grenze. Sachsen hatte zuvor angesichts drastischer Corona-Zahlen in Tschechien bereits vor der Entscheidung von Bundesinnenminister Seehofer, ab Sonntag Grenzkontrollen einzuführen, eine deutliche Einschränkung des Pendlerverkehrs angekündigt.

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Thomas Strobl (CDU), begrüßte die Entscheidung des Bundesinnenministers. »Wir haben alle im vergangenen Frühjahr erfahren, wie schmerzhaft Grenzschließungen sind. Aber sie sind als Ultima Ratio notwendig, wenn es darum geht, Leib und Leben von Menschen zu schützen«, sagte der baden-württembergische Innenminister den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Ähnlich äußerten sich die beiden SPD-Politiker Achim Post und Dirk Wiese. Die offenen Grenzen in Europa seien ein hohes Gut, das es auch in dieser Krise weiter zu schützen gelte. »Angesichts der aktuellen Ausbreitung der hochansteckenden Virus-Mutationen, insbesondere auch in Grenzregionen in Tschechien sowie Österreich sind zeitweilige Beschränkungen bis hin auch zu stationären Grenzkontrollen gegenüber diesen Nachbarstaaten in der akuten Krisenlage grundsätzlich angemessen. Sie müssen aber mit Augenmaß ausgestaltet werden.«

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