In Israel wird viel geimpft und oft gewählt. Für beides ist Benjamin Netanyahu maßgeblich mitverantwortlich. Der Premierminister hat dafür gesorgt, dass in seinem Land Corona-Impfstoff in ausreichender Menge vorhanden ist und auch im Rekordtempo verimpft wird. Im Umgang mit Krisen ist der mittlerweile 71-jährige Politiker geübt. Dieser Tage startet er in den vierten Wahlkampf innerhalb von zwei Jahren.

Er dürfte sich kaum vor seinen innenpolitischen Rivalen fürchten. Sie sind zu unerfahren, zu unpopulär, zu zerstritten, um ihm gefährlich zu werden. Die Anklage gegen ihn wegen Korruption, Betrug und Untreue dürfte Netanyahu größere Sorgen bereiten, ebenso der tiefe, scheinbar unlösbare gesellschaftliche Konflikt zwischen der säkularen Bevölkerungsmehrheit und den ultraorthodoxen Israelis, die sich größtenteils nicht an die Pandemieregeln halten.

Schwierigkeiten bahnen sich für Netanyahu derzeit vor allem aber außenpolitisch an. Die neue US-Regierung ist ein wesentlich schwierigerer Partner als die Trump-Regierung, die den israelischen Premier regelrecht hofierte. Präsident Joe Biden hat Netanyahu noch nicht einmal angerufen. Die große Frage ist, wie es mit Trumps außenpolitischem Vermächtnis weitergehen soll: der Normalisierung der bilateralen Beziehungen zwischen Israel und Amerikas arabischen Verbündeten im Nahen Osten.