Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland über das Wochenende unter die Schwelle von 60 sinkt. Lockerungen der Auflagen könne es dennoch derzeit nicht geben. »Wenn wir jetzt öffnen, verspielen wir den bisherigen Erfolg«, sagte Spahn in Berlin.

»Die Infektionszahlen sinken – sie sinken auch ermutigend stark. Aber sie sind eben noch nicht stark genug gesunken, als dass wir jetzt schon die Maßnahmen lockern könnten«, sagte Spahn. Dafür seien die Mutationen zu gefährlich. Er verwies zudem darauf, dass die Maßnahmen im Kampf gegen das Virus auch gegen dessen Mutationen wirksam seien.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, erklärte, dass die Maßnahmen das Gesundheitssystem entscheidend entlastet hätten, weil damit auch andere Infektionskrankheiten eingedämmt wurden. Das sei in Zeiten der Pandemie »ein echter Pluspunkt«, so Wieler. Vor allem gebe es deutlich weniger Grippefälle. Normalerweise würden in Deutschland pro Woche Tausende Fälle registriert, derzeit seien es allenfalls 20 bis 30. Das entlaste Arztpraxen und Krankenhäuser.

Das sei besonders wichtig, weil davon auszugehen sei, dass ansteckendere Varianten des Coronavirus die Bekämpfung der Pandemie erschweren. »Wir müssen die Ausbreitung der Varianten zumindest verlangsamen«, sagte er. Und es müsse verhindert werden, dass neue Varianten entstehen. Die bereits bekannten Varianten breiteten sich in Deutschland aus. Letzte Woche war die Mutation B117 für rund sechs Prozent der neuen Fälle verantwortlich. Neue Daten dazu seien in der kommenden Woche zu erwarten.

Guter Trend, aber keine Entwarnung

Insgesamt sieht RKI-Chef Wieler Deutschland aber auf einem guten Weg. Die Fallzahlen gingen zurück. Eine Entwarnung sei das aber nicht. Auf vielen Intensivstationen stabilisiere sich die Situation zwar, sie sei aber immer noch angespannt, sagte Wieler. »Und leider sterben immer noch sehr viele Menschen im Zusammenhang mit Covid-19.«…