In vielen Städten ist der Wohnraum knapp, die Mieten sind für viele Normalverdiener kaum noch bezahlbar. Umgekehrt gibt es Landstriche, in denen viele Häuser leer stehen. Ist es da sinnvoll, weiter Einfamilienhäuser zu bauen? Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat in einem SPIEGEL-Interview Zweifel angemeldet – und sieht sich jetzt gemeinsam mit seiner Partei scharfer Kritik ausgesetzt.

»Einparteienhäuser verbrauchen viel Fläche, viele Baustoffe, viel Energie, sie sorgen für Zersiedelung und damit auch für noch mehr Verkehr«, sagte Hofreiter dem SPIEGEL. In Städten gebe es »gigantische Wohnungsnot«, in anderen Regionen rausche der Wert von Häusern »in den Keller«. Deshalb sollten Kommunen durch Bebauungspläne dafür sorgen, dass der knappe Raum in Ballungsgebieten bestmöglich genutzt werde, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Hintergrund ist die Entscheidung eines grünen Bezirksamtsleiters in Hamburg-Nord, wonach keine Einfamilienhäuser mehr in neuen Bebauungsplänen vorgesehen sind. Das wurde nicht nur in Hamburg zum Politikum. Und die Reaktionen auf Hofreiters Äußerungen sind eindeutig.

»Die Grünen sind an Populismus und Scheinheiligkeit wieder einmal nicht zu überbieten«, sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol dem SPIEGEL. Natürlich brauche es mehr Innenentwicklung und Nachverdichtung in Städten und Gemeinden, anstatt auf die grüne Wiese auszuweichen.

Bartol kritisierte aber, dass Hofreiter auf Bundesebene »populistisch die vollständige Abkehr vom Einfamilienhaus« fordere, während das grün regierte Baden-Württemberg einer der Spitzenreiter dabei sei, den schnellen Bau von Einfamilienhäusern im Außenbereich zu ermöglichen. Zudem habe Hessens grüner Bauminister Tarek Al-Wazir im Bundesrat gegen die Erleichterung von Baugeboten gestimmt.

Hirte wirft Grünen »gestörtes Verhältnis zum Eigentum« vor

Auch aus der CDU kommt Kritik. Der Bundestagsabgeordnete und thüringische Landesvorsitzende Christian Hirte sagte, Hofreiter zeige…