Shortseller Fraser Perring setzt die Finanzaufsicht Bafin in der Affäre um den Finanzkonzern Grenke unter Druck. In einer E-Mail, die dem SPIEGEL vorliegt, fordert der Brite die Behörde auf, bei der Grenke AG und der Grenke Bank jeweils Aufpasser einzusetzen, um den Konzern besser zu kontrollieren.

Der Rücktritt des langjährigen Vorstands Mark Kindermann vor wenigen Tagen sei »ein klarer Versuch, die Sonderuntersuchung bei Grenke zu verlangsamen oder zu stoppen«, heißt es in einer neuen Analyse von Perrings Firma Viceroy. Die Bafin müsse Vorstand und Aufsichtsrat vor die Tür setzen. Perring wirft Grenke unter anderem Bilanzbetrug vor. Der Leasingspezialist habe zudem Beziehungen zu personell mit Grenke verbundenen Firmen (»Related Parties«) verschleiert.

Seine Vorwürfe hatte der Shortseller erstmals im vergangenen September publik gemacht. Mit seiner Firma Viceroy spekuliert er auf fallende Kurse, indem er Aktien ausleiht, sie verkauft, sich später – wenn die Wette aufgeht – zu niedrigeren Preisen wieder eindeckt und die Differenz als Gewinn einstreicht.

Die Bafin steht unter Druck, weil sie sich im Wirecard-Skandal blamiert hat. Auf Perrings Vorwürfe reagierte sie daher im Herbst schnell und beauftragte die Prüfungsgesellschaft Mazars mit einer Sonderuntersuchung. Grenke selbst gab eine Prüfung bei KPMG in Auftrag.

Staatssekretär Kukies schaltet sich ein

Dem Aufsichtsrat zufolge war Kindermann – ein langjähriger Wegbegleiter des von Perring attackierten Firmengründers Wolfgang Grenke – auf Druck der Bafin zurückgetreten. Dass man nicht bei der Aufarbeitung der Vorwürfe kooperiere, weist Grenke als »absurd« zurück. Das Unternehmen erklärte zudem, die bisherigen Bafin-Feststellungen beeinflussten Bilanz und Ergebnis des Konzerns nicht.

Ob es dabei bleibt, wird erst die Veröffentlichung des Geschäftsberichts zeigen. Einen Termin für die Bilanzpublikation nennt Grenke ausdrücklich nicht. Wann und mit welchen Zahlen Grenke an die Öffentlichkeit…