Der Bundespräsident steht am Fenster seines Amtssitzes und zündet eine Kerze an. Dieses Bild aus dem Januar wird zu jenen gehören, die von Frank-Walter Steinmeier bleiben werden: Streichholz anzünden, Docht entflammen, Streichholz auspusten, innehalten.

Als Frank-Walter Steinmeier noch klein war, in den 1950er-Jahren, war das Licht im Fenster ein Ritual, das als Erinnerung an die im Krieg gestorbenen oder vermissten Soldaten und an die Kriegsgefangenen gedacht war. Diese Geste, üblich am Volkstrauertag, entsprang dem verständlichen Schmerz der Hinterbliebenen, aber es schwang noch etwas mit: die in den Fünfzigerjahren vorherrschende Haltung, die Deutschen als Opfer des Krieges zu sehen. Diese Haltung verschwand mit den Jahren, wie auch die Kerzen im Fenster. Steinmeier holte sie nun wieder hervor, um eine Form zu finden, der Kranken und Toten der ­Corona-Pandemie zu gedenken.

Er belässt es nicht bei dieser Geste, ­sondern plant eine eigene Trauerfeier am 18. April im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt. »Der Bundespräsident möchte ein Zeichen setzen, dass wir als Gesellschaft gemeinsam trauern. Wir sind als Gesellschaft vereint in unserer Trauer um die Toten und um die einsam Verstorbenen. Wir fühlen mit den Hinterbliebenen«, so eine Sprecherin.