Obwohl Corona-Impfstoff in Deutschland knapp ist, kommt es immer wieder vor, dass in Impfzentren Vakzindosen übrig bleiben. Davon haben seit Anfang des Jahres nach SPIEGEL-Informationen Hunderte Bundeswehrsoldaten profitiert. Sie wurden gegen das Coronavirus geimpft, obwohl sie laut der festgelegten Impfreihenfolge noch nicht dafür vorgesehen waren.

Die Soldaten erhielten zumeist die übrig gebliebenen Dosen aus Impfzentren, in denen die Truppe aushilft. Der Impfstoff hätte sonst vernichtet werden müssen, da er spätestens 90 Minuten nach dem Auftauen verabreicht werden muss.

Wie viele Soldaten genau auf diese Weise zu einer Impfung kamen, ist unklar. Ein Sprecher des Sanitätskommandos in Koblenz bestätigte allerdings, dass von den rund 3800 bereits geimpften Soldaten nur etwa 2100 wegen ihrer Tätigkeit in Bundeswehr-Krankenhäusern oder als Sanitäter laut festgelegten Reihenfolge geimpft worden seien. Etwa 1570 erhielten sogar schon die zweite Impfung.

Bundeswehrführung ermutigt zur Annahme von »Impfresten«

Bei den anderen geimpften Soldaten handelt sich meist um Helfer in den Impfzentren bundesweit. Dort blieben nach übereinstimmenden Berichten in den ersten Wochen der Impfkampagne immer wieder Dosen übrig, da entweder falsch geplant worden war oder weil die angemeldeten Personen nicht zur Impfung erschienen.

Die Bundeswehrführung hatte alle Soldaten, die bei der Corona-Hilfe eingesetzt sind, immer wieder mündlich zur Annahme von »Impfresten« ermutigt. Das sollte die Soldaten schützen und verhindern, dass übrig gebliebener Impfstoff vernichtet wird. Anfang Februar stellte dann ein Generalarzt der Truppe dann in einer formellen Weisung klar, dass eine solche Impfung »außerhalb der Bundeswehr« dienstrechtlich völlig in Ordnung ist.

Ein Beispiel für einen Empfänger der vielen »Reste-Impfung« ist der Chef der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz. Auf einem Truppenbesuch eines Impfzentrums in Berlin-Schönefeld an einem Nachmittag Ende Januar…