Am Oberbürgermeister von Halle führte einfach kein Weg vorbei. So sieht es jedenfalls der Oberbürgermeister von Halle. Bernd Wiegand, 63 Jahre, parteilos, wurde am 17. Januar gegen Corona geimpft, weil, so Wiegand, zu diesem Zeitpunkt gerade »kein anderer verfügbar« gewesen sei. In Halle an der Saale leben fast 240.000 Menschen.

Glaubt man Wiegands Darstellung, dann musste er sich quasi notgedrungen gegen Covid-19 schützen lassen – ähnlich wie zehn weitere Kommunalpolitiker aus dem Stadtrat, die laut Wiegand schon geimpft wurden.

Wiegand ist weder über 80 Jahre alt noch Pflegekraft in einem Heim. Er arbeitet auch nicht auf einer Intensiv- oder Covid-Station eines Krankenhauses. Nach der Prioritätenliste des Bundesgesundheitsministeriums müsste er sich weit hinten anstellen, bevor er für eine Dosis der knappen Corona-Vakzine infrage kommt. Er ist trotzdem der Meinung, dass mit seiner frühen Impfung alles »ordnungsgemäß« verlaufen sei.

Hunderttausende Menschen aus Risikogruppen wählten sich in den vergangenen Wochen in Deutschland die Finger wund, um in überlasteten Callcentern einen der raren Impftermine zu ergattern. Viele wurden auf die kommenden Monate vertröstet. Dann werde hoffentlich mehr Impfstoff zur Verfügung stehen, hieß es.