Auf der Webseite eines deutschen Reiseveranstalters mit der Überschrift »Impfreisen – lassen Sie sich im Urlaub gegen Corona impfen« lacht ein Mann mit sehr weißen Zähnen und einem Stethoskop um den Hals auf einem Bild, darunter steht folgende Erklärung:

»Eine Impfreise ist ein drei- bis vierwöchiger Erholungs- und Gesundheitsurlaub, bei der Reisende die Möglichkeit bekommen, sich im Rahmen von separaten Arztterminen gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Sie können folglich während der Reise zwei Arzttermine vereinbaren, bei denen Corona-Schutzimpfungen verabreicht werden können.«

Am Telefon sagt eine Kundenberaterin, es gebe eine große Nachfrage zu diesen Impfreisen, viele Leute riefen aktuell deswegen an. Als Reiseziel soll es unter anderem nach Israel und in die Vereinigten Arabischen Emirate gehen, wo große Teile der Bevölkerung bereits geimpft seien und die Impfkampagnen gut liefen. Zwischen 2000 und 3000 Euro würde die Reise kosten, dazu kämen die Kosten für die Impfung. Ein Shot am Anfang, einer gegen Ende des Aufenthalts. Soweit der Plan.

Drei Wochen Wellness plus zwei Corona-Shots – gibt es bald Impfreisen?

Weltweit warten Menschen auf ihre Impfungen. Wer zuerst drankommt, entscheidet sich in der Regel danach, wie alt oder krank man ist, welchem Infektionsrisiko man ausgesetzt ist, ob man im Medizinbereich arbeitet oder nicht. Wie viel Geld jemand auf den Tisch legen kann für eine Impfung, ist – bisher – kein Kriterium.

Doch schon länger wird vor einem sogenannten Impftourismus und erkauften Sonderregeln für Superreiche gewarnt. Der Gefahr also, dass sich Leute den Zugang zu Impfdosen erkaufen und so die Warteschlange überholen. Dass nicht die zuerst drankommen, für die eine Corona-Infektion besonders gefährlich wäre, sondern die mit den dicksten Brieftaschen.

Auf SPIEGEL-Nachfrage gibt es von dem Frankfurter Reiseanbieter eine sehr vage Antwort. Man könne noch keine »handfesten Informationen« liefern. Man stehe erst am…