Die Coronazahlen sind für viele zum Alltag geworden, jeden Morgen meldet das Robert Koch-Instiutut (RKI), wie viele Menschen sich neu infiziert haben – und wie viele Menschen an oder mit dem Virus gestorben sind. Umso schwieriger ist es, noch ein Gefühl für das Ausmaß der Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung zu behalten.

Ein Team von Robert Koch-Institut und Umweltbundesamt steuert nun eine neue Zahl zur Debatte bei. Für eine Studie, die jetzt im »Deutschen Ärzteblatt« erschienen ist, errechneten die Forscherinnen und Forscher, wie viele Lebensjahre in Deutschland 2020 durch Covid-19 verloren gegangen sind. Die Zahl hat einen großen Vorteil: Sie erlaubt es, das Ausmaß der Krankheitslast durch das Coronavirus mit anderen häufigen Todesursachen zu vergleichen.

Bei der Methode wird geschätzt, wie lange ein Mensch noch gelebt hätte, wenn er nicht an Covid-19 oder einer anderen Erkrankung gestorben wäre. Als Vergleich dient die durchschnittliche Lebenserwartung. Je jünger ein Mensch bei seinem Tod ist, desto mehr Lebensjahre verliert er bei der Berechnung. Die Methode zählt also nicht nur Todesfälle, sondern berücksichtigt auch, wie alt die Menschen zum Zeitpunkt ihres Todes waren.

Männer deutlich stärker betroffen als Frauen

Um Überschätzungen zu vermeiden, bezogen die Forscherinnen und Forscher nur Todesfälle in ihre Rechnung mit ein, bei denen Covid-19 als Todesursache übermittelt wurde. Dies war bei mehr als 31.000 von 38.000 ans Robert Koch-Institut gemeldeten Corona-Toten der Fall. 89 Prozent der Verstorbenen waren 70 Jahre alt und älter.

Den Berechnungen zufolge kostete Covid-19 im vergangenen Jahr in der gesamten Bevölkerung Deutschlands 303.608 Lebensjahre. »Durchschnittlich verlor jede verstorbene Person 9,6 Lebensjahre; Frauen verloren weniger Lebensjahre als Männer (8,1 versus 11,0 Jahre)«, heißt es in der Studie. Auch prozentual zeigte sich ein deutlicher Geschlechterunterschied: 60 Prozent der verlorenen…