Dass bei der Beschaffung von Corona-Impfstoffen durch die EU alles gut gelaufen ist, wird nicht einmal mehr in Brüssel behauptet – zu offenkundig sind die Probleme bei der Lieferung, zu schleppend laufen deshalb vielerorts die Impfkampagnen an. Jüngst musste EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Europaparlament eingestehen, dass man etwa bei der Zulassung der Vakzinen spät dran gewesen sei.

Der Befund, dass die EU ihre aktuell wichtigste Aufgabe vergeigt hat, ist da nur folgerichtig. Bemerkenswert ist aber, wie sehr dies die Einstellung der Bürgerinnen und Bürger zur Europäischen Union verändert hat. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL zeigt nun, wie massiv das Ansehen der EU in der Bevölkerung gelitten hat.

Bei insgesamt rund zwei Dritteln der Befragten hat das Bild der Europäischen Union wegen der Impfstoffbeschaffung gelitten. Konkret antworteten 22 Prozent, es habe sich »eher verschlechtert«. Nahezu doppelt so viele (42 Prozent) gaben sogar an, es habe sich »eindeutig verschlechtert«.

Dagegen antworteten gerade einmal rund 6 Prozent der Befragten, ihr Bild von der EU habe sich angesichts der Impfstoffbeschaffung eher oder eindeutig verbessert.

Die Kritik an der EU kommt aus allen politischen Lagern. Selbst unter Anhängern von Union, SPD, Grünen und Linken gaben mehr als die Hälfte an, ihr Bild von der Europäischen Union habe sich verschlechtert. Bei Unterstützern anderer Parteien war der Anteil noch größer.

Von der Leyen im Zentrum der Kritik

Besonders EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen kommt bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht gut weg. Die Aussagen der CDU-Politikerin im Europaparlament lasen sich teils, als wolle sie vor allem die Verantwortung auf die Impfstoffhersteller abschieben.

In Deutschland sind derzeit gerade einmal 2,5 Millionen Menschen geimpft worden. Davon haben sogar nur 1,2 Millionen die zweite Impfung erhalten. Das entspricht 1,4 Prozent der Bevölkerung. Eine…