Viele Parlamentarierinnen des Bundestags erleben alltäglich Frauenfeindlichkeit. Das zeigt eine SPIEGEL-Umfrage unter allen 222 weiblichen Bundestagsabgeordneten.

Sie wurden gefragt, ob und wie sie Frauenfeindlichkeit erleben, wie sie die gesellschaftliche Situation einschätzen und ob sie Handlungsbedarf sehen. 64 Abgeordnete, also ein gutes Viertel, haben Fragen beantwortet. Sie stammen aus allen Fraktionen, nur AfD-Frauen antworteten nicht.

69 Prozent der Politikerinnen sagen, sie erlebten »frauenfeindlichen Hass als Bundestagsabgeordnete«. 64 Prozent bekommen entsprechende Nachrichten, meist online, einige aber auch per Post. 36 Prozent haben »Angriffe auf sich, ihre Büros oder ihren Wohnsitz« erlebt. Genau die Hälfte, 50 Prozent, musste die Bundestagsverwaltung oder die Polizei einschalten. Fast ein Drittel, 30 Prozent, erhöhte die Sicherheitsmaßnahmen bei Veranstaltungen.

Auch innerhalb des Bundestags herrscht der Umfrage zufolge bisweilen eine frauenfeindliche Atmosphäre. Dafür sorgt nach Ansicht der Parlamentarierinnen im Bundestag vor allem die AfD: Die meisten Befragten verweisen in ihren Antworten ausdrücklich auf die Rechtsaußen-Fraktion als Quelle von Anfeindungen.

72 Prozent bejahten die Frage, ob sie Frauenfeindlichkeit innerhalb des Parlaments erlebten. Wenn eine Frau rede, werde der Lärmpegel höher, es werde gequatscht, laut und derb dazwischengerufen. Die weibliche Sitzungsleitung werde nicht begrüßt, Parlamentarierinnen würden ungefragt geduzt. Im Plenum und selbst in den kleineren Ausschüssen habe Sexismus und Antifeminismus eine neue Qualität erreicht, seit die AfD im Bundestag vertreten sei.

Die weiblichen Bundestagsabgeordneten sorgen sich fraktionsübergreifend vor einem gesellschaftlichen Rückschritt in Deutschland. So empfinden 61 Prozent »die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen als Rückschritt für die Stellung und Freiheit von Frauen«.

Rund drei Viertel der weiblichen Abgeordneten (73 Prozent) fordern, dass Behörden…