1. Anteile und herrsche

Wenig ist sicher in der Coronakrise, aber die Begriffe der Mathematik suggerieren immerhin Klarheit, also ein Blick auf Anteile und Prozente im Dreiabsatzverfahren:

Der größte Teil ihrer Arbeit als Bundeskanzlerin habe seit mehr als einem Jahr mit dieser Aufgabe zu tun: »Unser Land durch diese Katastrophe und wieder in bessere Zeiten zu führen.« Angela Merkel hat in einer Regierungserklärung die gestrigen Corona-Beschlüsse verteidigt und die Virusmutationen als »sehr reale Gefahr« bezeichnet. Zugleich machte sie klar, wie gering ihr Anteil am Plan der Länder ist, bereits ab Montag Schulen zu öffnen. »Seltsam matt« habe Merkel gewirkt, findet mein Kollege Sebastian Fischer, Leiter unseres Hauptstadtbüros: »Die Kanzlerin gibt auf dem Höhepunkt ihrer Regierungserklärung eine Art Protokollnotiz zu den Bund-Länder-Beschlüssen vom Vortag ab.« Überzeugt habe ihn hingegen der Anpackerauftritt von Ralph Brinkhaus, dem Fraktionschef der Union – »weil hier nicht nur die Regierungspolitik verteidigt, sondern Perspektive geboten wird über den nötigen Shutdown hinaus«. (Mehr dazu hier.)

Bei insgesamt rund zwei Dritteln der Teilnehmer an einer aktuellen SPIEGEL-Umfrage hat das Bild der Europäischen Union wegen der Impfstoffbeschaffung massiv gelitten: 22 Prozent gaben an, es habe sich »eher verschlechtert«. Bei nahezu doppelt so vielen (42 Prozent) habe es sich sogar »eindeutig verschlechtert«. (Mehr hier.)

»Bei den Angaben zur Wirksamkeit der Impfstoffe kursieren mehrere Missverständnisse«, erklärt meine Kollegin Julia Merlot aus unserem Wissenschaftsressort. »Zum einen verraten die Zahlen nicht, wie gut die Impfstoffe vor einer Infektion schützen, sondern vor der Krankheit Covid-19. Zum anderen bedeutet eine Wirksamkeit von beispielsweise 70 Prozent nicht, dass ein Impfstoff 70 von hundert Geimpften vor einer Erkrankung schützt.« Was denn dann? »Unter Geimpften verhindert er 70 Prozent der Erkrankungen, die es ohne Impfung gegeben…