Heute beschäftigen wir uns mit den Ergebnissen der gestrigen Bund-Länder-Runde, mit dem Dank als durchschaubares politisches Mittel und der erstaunlichen deutschen Liebe zur Frisur.

Die Bund-Länder-Strategie: Druck rausnehmen, Probleme umschiffen

Am Anfang – ein Schluck Wasser. Die Kanzlerin öffnete energisch die Flasche, schenkte sich ein, geräuschvoll, weil das Glas am Mikro stand. Sie trank hastig. So ging die lang erwartete Pressekonferenz los, die die Kanzlerin gestern Abend gemeinsam mit Martin Müller, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, und Markus Söder, dem bayerischen Ministerpräsidenten, eröffnet hat. Das Signal war eindeutig: Die Kehle ist trocken, stundenlanges Reden hat sie hinter sich, die Kanzlerin, reden im Sinne des Ringens. Sie wollte strenger sein als Teile der Ministerpräsidentenrunde. Dass dies erneut so gewesen ist, dass sie wieder nicht ganz durchdringen konnte, das klang später durch bei den Verlautbarungen des Abends. Doch bevor es so weit war, dankte Angela Merkel erstmal dem Volk. Die Bürgerinnen und Bürger seien es gewesen, die mit ihrer Disziplin dafür gesorgt hätten, dass die Infektionszahlen nun runtergehen.

Als Michael Müller das Wort ergriff, begann auch er mit dem Dank: »Wir sehen, dass es nicht vergeblich war.«

Im Lob schwang Selbstlob mit. Die Bürgerinnen und Bürger sind ja schließlich den Beschlüssen gefolgt, die die Kanzlerin und die Länderchefinnen und -chefs verordnet haben.

Die Schuld daran, dass der Shutdown trotz allem nun verlängert wird, suchen die drei dort, wo niemand Schuld hat: bei den Mutanten.

Mit den Danksagungen sollte wohl die schlechte Stimmung im Land besänftigt werden, aber die hat nicht nur mit den Mutanten zu tun. Ihre eigentliche Ursache liegt in der Enttäuschung über das schlappe Impfmanagement. Und für das ist die Politik nun mal verantwortlich, selbst wenn die Bürgerinnen und Bürger alles Wohlwollen zusammenkratzten und einräumten, dass eine Impfstrategie für die Politik eine…