Es gibt Pferde, Hirsche und Steinböcke – doch am beeindruckendsten ist der mit roten Punkten auf das Gestein getupfte Bison. Prähistorische Felsbilder haben die Höhle von Marsoulas in den französischen Pyrenäen berühmt gemacht, bereits im Jahr 1897 wurde sie entdeckt.

Unter den dort – ebenfalls bereits vor Jahrzehnten – ausgegrabenen archäologischen Objekten haben Wissenschaftler jetzt eine faszinierende Entdeckung gemacht. Ein Team um die Forscherinnen und Forscher Carole Fritz und Gilles Tosello hat das Gehäuse einer Seeschnecke, das im Muséum de Toulouse aufbewahrt wird, nun genauer analysiert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dabei herausgefunden, dass es im Jungpaläolithikum wohl als Blasinstrument genutzt wurde.

Im Fachblatt »Science Advances« berichtet die Gruppe über ihre Ergebnisse. Demnach weist das 30 Zentimeter lange, kegelförmige Schneckenhaus an seiner Spitze eine Öffnung von 3,5 Zentimetern Durchmesser auf. Da genau dort der härteste Teil der Schale liege, handle es sich kaum um eine zufällige Beschädigung, so die Forscher. Am gegenüberliegenden Ende habe man Schnittspuren gefunden. Außerdem sei ein Stück im Inneren durchlöchert worden.

Schließlich sei die Muschel mit einem roten Pigment verziert worden, wie man es auch von den Bildern in der Höhle kenne, schreibt das Team weiter. Das weise darauf hin, dass es sich tatsächlich um ein symbolisches Objekt handelte. Zumal Muscheln in der Region damals etwas sehr Besonderes gewesen sein dürften, der Atlantik liegt mehr als 200 Kilometer entfernt.

Tests mit einem Hornisten

Für die weitere Erforschung des Artefakts holte sich das Team Hilfe von einem Profimusiker. Ihm gelang es, der Muschel drei verschiedene Töne zu entlocken, C, Cis und D. Dabei zeigte sich auch, dass das Muschelinstrument verblüffend laut war.

Weitere Untersuchungen sollen nun mithilfe einer 3D-Modellierung der Muschel erfolgen. Unter anderem geht es um die Frage, ob sie einst ein Mundstück…