Bund und Länder haben sich am Mittwoch grundsätzlich auf eine Verlängerung des Shutdowns verständigt. Doch das Wörtchen grundsätzlich deutet es an: Es gibt Ausnahmen. Für Schulen, Kitas und Friseure. Einige Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen wollen sogar noch deutlich weiter von den Beschlüssen abweichen und beispielsweise Blumenläden früher öffnen lassen – in letzterem Bundesland sogar noch pünktlich vor dem Valentinstag am 14. Februar.

Über derlei punktuelle Lockerungen bei gleichzeitigem Fortlaufen eines »Pauschal-Lockdowns« regt sich unter Unternehmern Widerstand. Der Präsident des Verbands der Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée, sagte einer Mitteilung zufolge: »Die exklusive Öffnung nur für Friseur-Salons ist eine völlig willkürlich getroffene Entscheidung, die zeigt, dass Corona den Regierenden immer mehr über den Kopf wächst.«

Er fordert einen verbindlichen Stufenplan für die Lockerungen und fragt: »Entweder waren die Friseure schon vorher systemrelevant und hätten nicht geschlossen werden dürfen oder die Gefahr, sich beim Friseur mit Mutationen anzustecken, wird von der Regierung als gering eingestuft. Aber warum sollen dann Kontakte in anderen Unternehmen bei größerem körperlichen Abstand gefährlicher sein?«

Auch an der nun getroffenen Fokussierung auf einen Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen für großzügigere Lockerungen gibt es Kritik. Der Hauptgeschäftsführer des Mittelstandverbunds ZGV, Ludwig Veltmann, sagte dem »Handelsblatt«: »Weit zielführender als weiterhin den Holzhammer des Lockdowns und eine statistische Durchschnittszahl zu bemühen wäre doch jetzt endlich ein Schwenk mit voller Kraft auf die Schnelltests mit digitaler Erfassung der Ergebnisse.« So könne das Infektionsgeschehen bestimmt und gezielter bekämpft werden – »ohne weite Teile der Wirtschaft und Gesellschaft historisch einzigartige Zumutungen aufzubürden«.

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