Vorerst keine Lockerung, lieber keine Verschärfung. Dafür: Schöne Haare für alle. Angela Merkel und die Ministerpräsidenten scheinen sich im Kampf gegen das Coronavirus ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie auf eine klare Strategie geeinigt zu haben: Sie geben auf.

So schön und begrüßenswert es ist, dass graue Haaransätze künftig wieder blond, orangerot oder dunkelbraun leuchten werden und Friseure in Deutschland ab dem 1. März nicht mehr schwarz arbeiten müssen. So beklagenswert ist die Tatsache, dass sich die Mitglieder der Ministerpräsidentenkonferenz zu keinen anderen klaren Ansagen durchringen konnten. Offenbar verfolgen die obersten Pandemie-Bekämpfer des Landes kein No-Covid-Ziel, wie es unter anderem von der Virologin Melanie Brinkmann gefordert wird. Dazu hätte der Shutdown verschärft werden müssen.

Gelockert aber wird auch nicht. Am 3. März will die Ministerpräsidentenkonferenz erneut zusammenkommen und beraten. Wenn bis dahin die deutschlandweite 7-Tage-Inzidenz unter 35 pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner gesunken ist, seien offene Läden, Museen oder Hotels denkbar, heißt es in der Beschlussvorlage. Nach neun Stunden Konferenzmarathon konnten sich die Bundesländer mit der Bundeskanzlerin nur auf nur eine einzige konkrete und bundesweit geltende Maßnahme einigen: Am 1. März dürfen Friseure in Deutschland wieder öffnen.

Als nach dem ersten Corona-Shutdown im Frühjahr 2020 Möbelgeschäfte und Bundesligastadien den Betrieb wieder aufnehmen durften, Schulen aber geschlossen blieben, war die Empörung in weiten Teilen der Bevölkerung groß. Die Politik scheint daraus gelernt zu haben, dass es schlau ist, in der Not nicht auf dem Berufsverband mit dem stärksten Lobbyverband im Rücken zu hören, sondern auf die Stimme des Volkes. Klar rufen da viele nach einem kurzen Prozess für den Wischmopp auf dem Kopf. Für viele Friseure geht es nach acht Wochen Berufsverbot außerdem um die nackte Existenz.

Aber nicht nur Friseure kämpfen ums…