In der Welt von Alexander Lukaschenko hat Belarus gerade einen »Blitzkrieg« überstanden, geführt von ausländischen Mächten. Doch der habe keinen Erfolg gehabt: »Wir haben unser Land gehalten«, sagte der Diktator. Es sollte nach einem großen Sieg klingen.

Lukaschenko hielt am Donnerstag Hof in Minsk. 2700 loyale Delegierte, Mitarbeiter und Entsandte aus Universitäten, Staatsunternehmen, Behörden, Ministerien und sogar Kirchen hat der Machthaber in der Hauptstadt bis einschließlich Freitag versammeln lassen.

»Allbelarussische Volksversammlung« nennt sich dieses Gremium, das Lukaschenko vor rund 25 Jahren ins Leben rief und alle fünf Jahre tagt. Nach welchen Kriterien die Teilnehmer ausgewählt werden, ist völlig unklar. Die Versammlung erinnert an Parteitage der Kommunistischen Partei zu Sowjetzeiten – Beschlüsse werden einstimmig per Handzeichen getroffen, ohne Gegenstimmen. Und über allem wacht Lukaschenko, der in seiner langen Rede auch über Belarus als angeblich einzig souveränen Staat Europas dozierte. Was nicht stimmt, aber nur ein Beispiel dafür ist, was diese Volksversammlung ist: eine Parallelwelt, in der Lukaschenko sich die Welt so malt, wie sie ihm gefällt.

Dazu gehört auch die Behauptung, dass der Westen hinter den Protesten stünde. Dass es aber die Belarussinnen und Belarussen selbst sind, die gegen ihn seit Monaten aufbegehren – an manchen Tagen im Spätsommer waren über 200.000 Frauen und Männer in Minsk – darüber sprach Lukaschenko nicht.

Nicht wie Gaddafi enden

Sechs Monate nach Beginn der Demonstrationen gegen die massiven Wahlfälschungen fühlt er sich als Sieger. Lukaschenko hat die Proteste durch Gewalt und Repressionen niederschlagen lassen, sein Staatsapparat hat sich dabei als überwiegend loyal erwiesen.

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Alexander Lukaschenko

Foto: Sergei Sheleg / AP

Nur noch kleine Gruppen von Protestierenden wagen sich auf die Straßen, schwenken die oppositionellen weiß-rot-weißen Fahnen….