Erst einmal ist Verteidigung im Basta-Stil angesagt: »Alle Länder, die besser durch die Pandemie gekommen sind als wir, haben zuerst einen radikalen Lockdown gehabt und haben zuerst die Zahlen nach unten geknüppelt, nach unten geprügelt.« Deshalb sei es richtig, jetzt weiterhin auf niedrigere Corona-Inzidenzen zu zielen, so wie von Bund und Ländern am Vortag verabredet.

Und weiter, mit Blick auf den letzten Sommer: »Wir kommen von Inzidenzen unter zehn, unter fünf, und da müssen wir auch wieder hin, um die Öffnungen hinzukriegen.«

Das sind ambitionierte Zahlen, es sind die Ziele aus der No-Covid-Strategie, für die die Kanzlerin wohl durchaus Sympathien hat.

Natürlich seien die Belastungen sehr hart, insbesondere für Schüler und Familien, »natürlich ist es eine Zumutung – aber es ist auch eine Zumutung, dass über 60.000 Menschen in diesem Land gestorben sind.«

Deutschland in der Corona-Falle

Es ist der beste Auftritt an diesem Donnerstagvormittag im Bundestag, an dem Angela Merkel ihre Regierungserklärung zur jüngsten Shutdown-Verlängerung hält. Weil hier nicht nur die Regierungspolitik verteidigt, sondern Perspektive geboten wird über den nötigen Shutdown hinaus.

Denn die Corona-Falle, in der Deutschland jetzt sitzt, ist ja nicht allein einer Naturkatastrophe, also einem Virus, zuzuschreiben. Ein großer Teil der gegenwärtigen Probleme ist menschengemacht, oder besser: politikgemacht.

Da ist zuallererst die massive Verzögerung der Impfkampagne durch eine verfehlte Einkaufspolitik;

dann die wenig konsequente Umsetzung des Shutdowns in manchen Bereichen, etwa beim Homeoffice oder bei der Quarantäneüberwachung nach Einreise;

noch immer können die Deutschen in alle Welt reisen;

die Corona-Warn-App erfüllt ihre Schutzfunktion vor allem gegenüber den Nutzerdaten;

es gibt keine zugelassenen Schnelltests für alle;

für Kitas und Schulen gibt es kaum Lüftungslösungen, die über das Konzept des Fensteröffnens hinausgehen;

viele Gesundheitsämter…