»Wenn es morgens früh an meiner Tür läutet«, hat Winston Churchill einmal gesagt, »und ich davon ausgehen kann, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe.« In Ägypten können das Demokraten und Islamisten gleichermaßen nicht wissen. Sie schauen besser durch den Spion, bevor sie ihre Tür öffnen.

Zehn Jahre nach dem Arabischen Frühling, der in Ägypten zum Sturz von Langzeitmachthaber Hosni Mubarak führte, ist das bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt wieder eine lupenreine Autokratie. An der Spitze des starken Staates steht heute Abdelfattah el-Sisi, der Mann, den Ex-US-Präsident Donald Trump einmal als seinen »Lieblingsdiktator« bezeichnet hat.

Damals, vor einem Jahrzehnt, blickte die Welt gebannt auf das Land am Nil, das, anders als die meisten Staaten der Region, nicht am Kartentisch der Kolonialmächte entstanden ist, sondern das bereits »alt war, als Rom leuchtete, alt war, als Troja genommen wurde«, wie es Theodore Roosevelt einst formulierte.

Ein bis heute aktueller friedlicher Schlachtruf: »Freiheit, Brot und Würde«

Die Demonstranten vom Tahrir-Platz protestierten gegen die brutale Unterdrückung durch die allgegenwärtigen Sicherheitsapparate. Ihr friedlicher Schlachtruf: »Freiheit, Brot und Würde«. Die Massen wollten das korrupte wie brutale Mubarak-Regime stürzen – am 11. Februar 2011, nach mehr als zwei Wochen langen Protesten, Hunderten Verletzten und Toten war es so weit: Hosni Mubarak dankte ab.