Die Revolte ist ein Abenteuer des Herzens“, sagt Reporter-Legende Ryszard Kapuściński (1932-2007) in das Mikrofon. Das Fernseh-Interview findet bei ihm zu Hause statt, in seinem Arbeitszimmer, inmitten von Büchern und Materialstapeln. Regisseur Andreas Hoessli montiert in seinem sehr politischen Dokumentarfilm „Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution“ immer wieder Gesichter – in Interviews, historischen wie aktuellen. Entstanden ist ein Zeitpanorama der Umbrüche in Polen und im Iran: „Das Mensch-Sein in Zeiten der Revolution.  

Reporterlegende: Der Schriftsteller Ryszard Kapuściński (1932-2007) machte literarische Reportagen salonfähig

Der Film erzählt von dem Schriftsteller Kapuściński, der 1978 nach Teheran reist, um als Reporter über die iranische Revolution zu berichten. Die Geschehnisse dort werden ihn beschäftigen – bis der Aufstand der Werftarbeiter 1980 auch sein Heimatland Polen verändert. Regisseur Hoessli verschränkt immer wieder die revolutionären Geschehnisse in beiden Ländern.  Dazwischen Auszüge aus den literarischen Reportagen von Kapuściński als Textbrücken.

Im Visier der Geheimdienste

Hoessli kannte Ryszard Kapuścińsk persönlich. Von 1978 bis 1980 hatte er als Forschungsstipendiat in Warschau gelebt und war viel im Land herumgereist: „Er war eine Art Mentor für mich, in allem“, sagt der Filmemacher im DW-Gespräch. Die Massenstreiks in Polen, die revolutionären Umbrüche, die Euphorie im Land, das Ringen der Gewerkschaftsbewegung um Demokratie, all das hat Hoessli aus nächster Nähe miterlebt.

Schnell gerät der ausländische Journalist, der auch Kontakte zu polnischen Oppositionellen hat, ins Visier der Geheimdienste. Dass er damals beobachtet wurde, weiß Hoessli definitiv erst, seit er in polnischen Archiven seine Akte unter dem Decknamen „Figurant Hassan“ fand und studiert hat. Seine eigene Spurensuche verwebt er in diesem eindrucksvollen Dokumentarfilm mit Zitaten aus literarischen Reportagen von…