Bei den Protesten in Russland gegen die Verurteilung des Kremlgegner Alexej Nawalny hat es in der Nacht zum Mittwoch mehr als 1000 Festnahmen gegeben. Das berichtete das Portal ovd-info, das die Zahl der Festgenommenen dokumentierte.

Nach Angaben der Menschenrechtler kamen allein in der Hauptstadt Moskau mehr als 850 Menschen in Polizeigewahrsam. In St. Petersburg im Norden des Landes waren es demnach mehr als 170. In anderen Agenturberichten ist sogar noch von höheren Zahlen die Rede. 

Alexej Nawalny bei dem Gerichtsterminn in Moskau

Bereits während der umstrittenen Gerichtsverhandlung am Dienstag hatte es viele Festnahmen gegeben. Ein Gericht in der russischen Hauptstadt hatte den Oppositionellen am Abend zu dreieinhalb Jahren Straflagerhaft verurteilt, weil er aus Sicht der Richterin mehrfach gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren von 2014 verstoßen hat. Nach Darstellung seiner Anwälte wird ihm womöglich ein früherer Hausarrest angerechnet. Dann müsste er zwei Jahre und acht Monate in ein Straflager.

„Ich war in Deutschland in Behandlung“

Nach der Urteilsverkündung gingen Sicherheitskräfte mitunter gewaltsam gegen die Demonstranten in Moskau und St. Petersburg vor. Erst am vergangenen Sonntag hatte es Menschenrechtlern zufolge landesweit mehr als 5500 Festnahmen bei Demonstrationen für Nawalny gegeben. Der Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur, Ulf Mauder, dokumentierte auf Twitter, wie sich Demonstranten auf den Weg machten. 

Nawalny hat den Vorwurf, er habe sich nicht an Bewährungsauflagen gehalten, zurückgewiesen. „Ich war in Deutschland in Behandlung“, argumentierte der Kreml-Kritiker im Gerichtssaal vor dem Urteil der vom Kreml eingesetzten Richterin Natalia Repnikowa. Nawalny hatte sich in Berlin und Baden-Württemberg fünf Monate lang von einem Anschlag mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok erholt.

Das jetzige Urteil in Moskau nahm Nawalny still und mit rollenden Augen auf. Seine Verteidiger monierten, dass sie…