Direkt nach seiner Rückkehr aus Deutschland wurde Alexej Nawalny in Russland inhaftiert – zunächst für 30 Tage. Nun wurde dem Kremlkritiker vor einem Moskauer Gericht der Prozess am Dienstag gemacht. Ihm wurde vonseiten der Behörden vorgeworfen, gegen Meldeauflagen verstoßen zu haben, während er sich in Deutschland von den Folgen eines Giftanschlags erholte. Die Richterin entschied am Abend: Der Kremlkritiker muss für längere Zeit ins Gefängnis.

Die zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe stammt aus dem Jahr 2014. Damals war Nawalny zu dreieinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Davon werden nun die zehn Monate abgezogen, die Nawalny damals noch während des laufenden Verfahrens unter Hausarrest verbringen musste. Seine verbleibende Haftstrafe beträgt damit ungefähr zwei Jahre und acht Monate.

Noch ist nicht klar, in welche Strafkolonie der Oppositionelle nun gebracht wird. Er rief seiner Frau Julija im Saal des Moskauer Stadtgerichts zu: »Sei nicht traurig. Alles wird gut.« Nawalnys Anwältin Olga Michajlowa kündigte an, in Berufung zu gehen.

Nawalny attackiert Putin persönlich im Gerichtssaal

Unterstützer Nawalnys riefen unmittelbar nach dem Urteil zu Protesten im Zentrum Moskaus auf. Bereits während des laufenden Prozesses waren die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt worden. Im Zentrum von Sankt Petersburg und Moskau hatten Hundertschaften der Sonderpolizei Omon Stellung bezogen. Der Zugang zum Roten Platz wurde abgeriegelt. Dennoch begannen Hunderte Menschen in Gruppen durch das Zentrum der russischen Hauptstadt zu ziehen, sie riefen »Freiheit« und »Putin ist ein Dieb«. Zahlreiche Beamten folgten den Demonstrierenden, nahmen Menschen fest.

Auch das Gerichtsgebäude in Moskau war über den Tag von einem beispiellosen Polizeiaufgebot umstellt worden. Mehr als 360 Personen, darunter Journalisten, wurden laut der Bürgerrechtsorganisation OVD-Info bis zum Abend in der Gegend dort von Sicherheitsbeamten abgeführt.

Nawalny hatte in der…