Klar ist: Die Mutationen haben auch Deutschland erreicht, erste Fälle wurden teils schon vor Wochen nachgewiesen. Wie häufig die Varianten mit den Abkürzungen B1.1.7 (Großbritannien) B1.351 (Südafrika) und P1 (Brasilien) hierzulande vorkommen, ist allerdings unklar. Erste Analysen eines Labors in München geben nun zumindest einen Eindruck, wie schnell sich die Varianten ausbreiten können.

Demnach wurden an den bayerischen Standorten des Labors Becker & Kollegen rund um München bis Anfang Januar nur in 0,2 Prozent der untersuchten Proben die Genveränderung N501Y nachgewiesen, die alle drei Varianten des Virus gemeinsam haben. Am 20. Januar fand sich die Genveränderung schon in 4,7 Prozent der Proben, zuletzt lag ihr Anteil bei sieben Prozent.

»Zeichen, dass sich die neuen Varianten sehr schnell ausbreiten«

Das Labor hat nach eigenen Angaben Tests im knapp vierstelligen Bereich durchgeführt. »Repräsentativ ist die Erhebung damit nicht«, betonte Labormediziner Jürgen Durner vom Labor Becker & Kollegen im Gespräch mit dem SPIEGEL. »Aber der Anteil der Varianten an den bekannten Infektionen ist innerhalb von nicht einmal drei Wochen von weniger als ein Prozent auf einen hohen einstelligen Prozentbereich angestiegen. Das ist schon ein Indiz dafür, dass sich die neuen Varianten derzeit schnell ausbreiten könnten.« Zuvor hatte die »Apothekenumschau« darüber berichtet.

Für die Analysen hatte das Labor ein neues Testverfahren mit entwickelt. »Wir haben sozusagen eine Abkürzung genommen«, sagt Durner. »Statt das gesamte Genom des Virus zu analysieren, fokussieren wir uns auf die Bereiche, die von der Veränderung betroffen ist.« Dadurch liege das Ergebnis innerhalb weniger Stunden vor, eine Analyse des ganzen Genoms könne dagegen einige Tage dauern.

»Jedes Labor, das mit Geräten zur PCR-Analyse ausgestattet ist, kann nach unserer Methode auch rasch Sars-CoV-2-positive Proben auf die Genveränderung prüfen«, sagte Durner. Eine Berliner Firma hat ein…