Musikalische Erfolge unterliegen einem einfachen, aber ausgeklügelten System: Hitproduzenten wissen, welches Tempo ein Song haben muss, wie sich Dur und Moll auf das Hörverhalten auswirken, wie lang das Lied höchstens sein darf und mindestens sein muss.  Hinter den einstigen Welterfolgen von Britney Spears steht eine ganze Hitfabrik, deren Abläufe den immer gleichen Mustern folgten. Was in den Charts steht, ist dort selten per Zufall gelandet – dem berechenbaren menschlichen Horizont sei Dank.

Zum Glück lässt sich in einer emotionalen Kunstform aber trotzdem nicht alles vorausplanen und kontrollieren. Peter Gabriel nahm 1979 sein drittes Soloalbum auf, am Schlagzeug saß sein Genesis-Kollege Phil Collins. Bei den Aufnahmen wurde eine neue Technik eingesetzt: Im Studio hing ein Mikrofon von der Decke, über das die Musiker in den Aufnahmepausen mit den Toningenieuren kommunizieren konnten.

Zufall prägt die 1980er: Ein versehentlich offenes Mikrofon nahm Phil Collins‘ Schlagzeug auf und schuf einen neuen Sound.

Als dieses Mikro bei einer Aufnahme eingeschaltet blieb, entstand ein neuer Drumsound, der die Popmusik der 1980er Jahre prägen sollte: Der Kompressor des Mikrofons reduzierte die lauten Sounds und verstärkte die leisen – geboren war ein trockener Hall, der das Schlagzeug abrupt abschnitt.

Beethoven setzte das Metronom früh ein

Zufälle in der Musik sind also absolut nichts Ehrenrühriges. Es ist wichtig, das zu erwähnen, weil aktuell diskutiert wird, ob die Tempi der Sinfonien eines der größten Komponisten der Geschichte auf einem Missgeschick beruhen. Ludwig van Beethoven, im vergangenen Jahr aus Anlass seines 250. Geburtstags umfassend gewürdigt, setzte als einer der ersten Komponisten das 1815 von Johann Nepomuk Mälzel entwickelte Metronom ein, das über die Zahl der Schläge pro Minute und einen ausschlagenden Zeiger genaue Tempoangaben ermöglichte.

Mit einer Anzahl an Schlägen pro Minute vereinfacht das Metronom das Komponieren – eigentlich.