Am Sonntag, als plötzlich alles in Bewegung kam, fiel das Scheinwerferlicht auf der improvisierten Bühne des Hospital das Clínicas in São Paulo auf die Krankenschwester Mônica Calazans, die seit Jahren ihre Schichten auf einer Intensivstation schiebt. Calazans streifte ihren Kittel ab und sank auf einen Stuhl. Neben ihr stand eine jüngere Medizinerin und öffnete die Tür zu einem Kühlschrank. Darin lagerten Ampullen eines gerade zugelassenen Corona-Impfstoffs.

Calazans, eine schwere Frau, die an Diabetes leidet, blickte ernst durch ihre große Brille.

Ganz Brasilien sah ihr zu.

Im Juli, als das lokale Butantan-Institut nach Testpersonen für einen vom chinesischen Konzern Sinovac entwickelten Corona-Impfstoff suchte, hatte sie sich gleich gemeldet. Damals spritzte man ihr ein Placebo. Jetzt ist sie die erste offiziell geimpfte Brasilianerin, und die Aufnahme, die dabei entstand, mit Calazans‘ geballter Siegerfaust, ist mehr als ein Symbolbild.

Wenig später trat João Doria, der Gouverneur des Bundesstaats São Paulo, an Calazans‘ Seite. Seit Monaten hatte Doria gegen den Widerstand des Präsidenten Jair Bolsonaro für diesen Augenblick gekämpft. Jetzt sprach er von einem Tag, der in die Geschichte eingehen werde. Was sie erlebten, sagte Doria mit Rührung in der Stimme, sei ein Triumph über die Lügen und Schmutzparolen eines mit dem Tod flirtenden Präsidenten, der auf weltweit beispiellose Weise die Impfkampagne seines Landes sabotiert.