Für den Bericht werden die Hafterfahrungen von 67 Menschen aus drei Frauen- und 13 Männergefängnissen in sieben ägyptischen Gouvernements ausgewertet. Dabei wurden laut Amnesty International massive Menschenrechtsverstöße in ägyptischen Gefängnissen angeprangert.

In einer Bilanz zehn Jahre nach dem »Arabischen Frühling« beklagte die Menschenrechtsorganisation am Montag, dass in Ägypten Tausende Menschen inhaftiert seien, »die sich an vorderster Front für soziale und politische Gerechtigkeit eingesetzt haben oder die in unfairen Verfahren vor Militärgerichten verurteilt wurden«.

Den Gefangenen werde gezielt die Erfüllung von Grundbedürfnissen und der Schutz vor dem Coronavirus verwehrt, kritisierte die Menschenrechtsorganisation. »Folter, Misshandlungen und gezielte Unterversorgung« blieben auch während der Pandemie in ägyptischen Gefängnissen »an der Tagesordnung«. Gefangene seien in den »völlig überfüllten Gefängnissen des Landes eingepfercht«, erklärte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus Beeko.

Die Organisation untersuchte nach eigenen Angaben den Tod von zwölf Gefangenen, die in der Haft oder kurz nach ihrer Freilassung gestorben waren, und hat Kenntnis von 37 weiteren Todesfällen im Jahr 2020, bei denen die Familien aus Angst vor Repressalien einer Veröffentlichung nicht hätten zustimmen wollen.

Immer wieder Berichte über sexuelle Übergriffe

Schätzungen ägyptischer Menschenrechtsgruppen zufolge sind seit 2013 Hunderte Menschen in Gewahrsam gestorben. Doch die Behörden weigern sich laut Amnesty nach wie vor, Zahlen zu veröffentlichen oder unabhängige Untersuchungen derartiger Todesfälle zuzulassen.

Die Zahl der Gefangenen war nach dem Sturz des verstorbenen ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013 sprunghaft angestiegen. Dadurch habe sich »die ohnehin schon unmenschliche Überbelegung in ägyptischen Gefängnissen verschlimmert«, erklärte Amnesty. Zwei ehemalige weibliche Gefangene…