Rund 9,8 Bürger sind an diesem Sonntag aufgerufen, in Portugal einen neuen Präsidenten zu wählen. Und das mitten in der Corona-Pandemie und während eines Shutdowns, der vor wenigen Tagen in Kraft trat. Wegen der großen Infektionsgefahr zeichnet sich eine äußerst geringe Wahlbeteiligung ab – und das stellt die zwischenzeitlich als sicher angesehene Wiederwahl des beliebten Amtsinhabers Marcelo Rebelo de Sousa in Frage.

Die Abstimmung findet zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt statt. Denn die zuerst in England nachgewiesene neue Coronavirus-Variante B1.1.7 trägt in dem südeuropäischen Staat zu immer neuen Höchstständen bei Infektions- und Opferzahlen bei. In Portugal wurde am Donnerstag ein neuer Rekord von 221 Corona-Toten binnen eines Tages gemeldet. Bereits am Mittwoch war in dem Zehn-Millionen-Einwohner-Land, das seit dem 1. Januar die EU-Ratspräsidentschaft innehat, ein neuer Spitzenwert bei den täglichen Neuinfektionen von 14.647 Fällen erreicht worden. 

Liegt in Umfragen vorne: Präsident Marcelo Rebelo de Sousa

Wegen der besorgniserregenden Lage und des landesweiten Corona-Lockdowns wurde der traditionelle Wahlkampf-Endspurt gestrichen. Die Behörden organisierten am Sonntag vor einer Woche einen Wahltag für eine vorgezogene Stimmabgabe. Außerdem holten Freiwilligenteams die Stimmzettel der landesweit rund 13.000 unter Quarantäne stehenden Menschen ab. Rund 200.000 Wähler nutzten das Frühwahl-Angebot. Die Bilder von langen Schlangen vor Wahllokalen, insbesondere in der Hauptstadt Lissabon, trugen allerdings nicht dazu bei, die Furcht vor einer Corona-Infektion bei der Stimmabgabe zu verringern.

Sieben Kandidaten

Für das Amt des Präsidenten, der in Portugal vorwiegend repräsentative Aufgaben übernimmt, gibt es außer Rebelo de Sousa sechs weitere Kandidaten. Der 72-jährige Staatschef, der das Parlament auflösen und Neuwahlen ansetzen kann, wird in allgemeiner Wahl für fünf Jahre gewählt, maximal zwei Amtszeiten sind möglich.

Noch vor einem…