Als Silvio Berlusconi noch der größte Politstar Italiens war, stand Mariarosaria Rossi oft an seiner Seite. Anfangs trat sie  in seinen Wahlkampfvideos auf (»Was für ein Glück, dass es Silvio gibt«). Später wurde sie als seine enge Vertraute und Pflegerin legendär. Wer den »Cavaliere« sprechen wollte, wandte sich am besten an sie.

Sogar bei den Bunga-Bunga-Partys in Berlusconis Villa San Martino war Rossi dabei. »Na und? Ist es eine Straftat, sich ein bisschen zu entspannen?«, sagte die ehemalige Animateurin und Expertin für Diskotheken-PR hinterher.

Berlusconi-Vertraute lief zu Conte über

Am Dienstagabend um 21.31 Uhr war es mit der alten Freundschaft vorbei. Bei der Vertrauensfrage von Ministerpräsident Giuseppe Conte stimmte die Senatorin der Berlusconi-Partei Forza Italia für die Regierung. »Der Premier hat eine liberale und europäische Vision«, schwärmte Rossi, als sie ihren überraschenden Seitenwechsel verkündete.

Das rechte Lager schäumte. »Was nützt es, Pläne und Strategien zu entwickeln, wenn sich selbst unter engsten Vertrauten Leute davon machen?«, soll Lega-Chef Matteo geklagt haben. »Matteo, ich wusste nichts davon. Wer weiß, was die ihr angeboten haben«, lautete, italienischen Medien zufolge, die Antwort Berlusconis. Noch am selben Abend flog Rossi aus seiner Partei.

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Ehemalige Berslusconi-Vertraute Rossi (Archivbild): »Der Premier hat eine liberale und europäische Vision«

Foto: Massimo Sestini / ZUMA Press / imago

In Rom ist die Stimmung hochnervös. Zwar hat Conte die Vertrauensfrage, auch dank Rossi, knapp gewonnen. Aber für eine absolute Mehrheit fehlen ihm wichtige Stimmen, seit sein Rivale Matteo Renzi (Italia Viva) die Koalition verlassen hat.

Conte ist vorerst Ministerpräsident auf Abruf

Niemand weiß, wie es jetzt weitergeht. Nur eines ist sicher: Conte ist erst mal Premier auf Abruf. Bei jeder Abstimmung muss er fürchten, gegen die Opposition zu verlieren. Es ist eine prekäre Lage,…