Die Esprit-Zentrale in Ratingen bei Düsseldorf ist für gewöhnlich kein Ort großer Emotionen. Reduzierte Eleganz, viel Glas, Holz, dazwischen Modepuppen und Kleiderständer mit der aktuellen Kollektion. Das Modeunternehmen setzt seit einiger Zeit auf eher gedeckte Farben, mehr Naturfasern, schlichte Schnitte. Und das mit Erfolg: Nachdem man sich in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren von 1200 Mitarbeitern getrennt und angekündigt hatte, allein in Deutschland 50 Filialen zu schließen, war man Ende 2020 wieder profitabel – erstmals seit Jahren.

Nun aber herrscht Unruhe an der Esprit-Allee, an der übrigens kaum Bäume stehen. Die Mitarbeiter fürchten die Abwicklung ihrer Firma. Mitte Dezember hatte das Unternehmen den Umzug der Zentrale nach Hongkong verkündet. Dort residiert die Milliardärin Karen Lo Ki-yan, Chefin des Esprit-Großaktionärs North Point Talent und Erbin eines Sojamilch-Imperiums. Künftig sollen die ersten beiden Führungsebenen von dort aus den Einkauf, das Marketing und die Kollektionen bestimmen.