Der sogenannte Arabische Frühling startete vor über zehn Jahren in Tunesien. Damals zündete sich ein junger Obsthändler namens Mohamed Bouazizi auf offener Straße an, um gegen die Korruption der Polizei und die ständig zunehmende Arbeitslosigkeit im Land zu protestieren. Seine Verzweiflungstat setzte Massendemonstrationen in Tunesien in Gang, die sich bald auch auf das benachbarte Ägypten ausweiteten. Schon kurze Zeit später versammelten sich tausende Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo, um den Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak zu fordern.

Genau zu dieser Zeit entstanden in den Straßen der ägyptischen Hauptstadt aufsehenerregende Kunstwerke: Street Art. Dazu gehörten Graffitis von Künstlern wie Ammar Abo Bakr, Alaa Awad oder Ganzeer. Ihre künstlerischen Kommentare auf das Zeitgeschehen verschafften ihnen Berühmtheit. Viele dieser Werke sind nun in Büchern wie „Revolution Graffiti – Street Art of the New Egypt“ der schwedischen Journalistin Mia Gröndahl oder „Walls of Freedom: Street Art of the Egyptian Revolution“ von Basma Hamdy und Don „Stone“ Karl abgebildet.

Street Art als Massenmedium

Auch Ganzeers Name ist mittlerweile bekannt in der Street-Art-Szene. Im DW-Interview erzählt er, dass mit dem Beginn der Revolution „eine Informationslücke zwischen dem, was auf den Straßen geschah, und dem, was in den Medien berichtet wurde“ entstanden sei. Ganzeer hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Lücke zu schließen: Viele Bewohner Kairos wussten überhaupt nichts von den Protesten und konnten deswegen auch gar nicht an ihnen teilnehmen. „Für mich war eine Notwendigkeit, Street Art zu diesem Thema zu schaffen“, sagt Ganzeer. 

Street Art unter der Brücke: Ganzeers Graffiti zeigt die Brutalität des Militärs

Bewusst ging Ganzeer mit seiner Street Art weit weg vom Tahrir-Platz. Er verbreitete sie in Gegenden, wo die Menschen kaum etwas vom Massenprotest mitbekamen. Anfangs war die Resonanz auf seine Werke jedoch nicht nur positiv. Als die…