Zehntausende Menschen haben in Russland für eine Freilassung des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny demonstriert. Allein in Moskau versammelten sich nach Schätzungen von Reportern mindestens 40.000 Anhänger des Oppositionspolitikers zu einer der größten unerlaubten Demonstrationen seit Jahren. Das Innenministerium sprach von lediglich 4000 Demonstranten im Zentrum der Hauptstadt. Nawalny hatte seine Anhänger zu den Demonstrationen aufgerufen.

Eine Demonstrantin in Moskau versucht, mit den Sicherheitskräften ins Gespräch zu kommen

Die Polizei ging vielfach gewaltsam gegen die Proteste in rund 100 Städten vor und nahm nach Angaben der Beobachtergruppe OVD-Info landesweit 3068 Menschen fest, davon allein 1167 in Moskau und 460 in St. Petersburg. Unter den Festgenommenen in Moskau war auch Nawalnys Ehefrau Julia Nawalnaja, wie sie mitteilte. Wenige Stunden später wurde sie laut Medienberichten wieder freigelassen. Seine Mutter Ljudmila nahm ebenfalls an der Demonstration teil. 

Wunsch nach Veränderung

Unter den Demonstranten waren viele junge Leute und Angehörige der Mittelschicht. Aktivisten und Journalisten beklagten eine Drosselung des Internets. In sozialen Netzwerken kursierten Videos von Sicherheitskräften, die Demonstranten mit Schlagstöcken attackierten. Viele der Kundgebungsteilnehmer einte der Wunsch nach gesellschaftlichen und politischen Änderungen in ihrem Land. „Eine unehrliche Regierung, niedrige Löhne, kein Einkommen, keine Rechte. Nichts“, klagte eine Frau mittleren Alters im Gespräch mit Reportern der Deutschen Welle. „Ich bin weder für Nawalny noch gegen Putin. Es ist mir egal, wer an der Macht ist. Ich will nur wie ein Mensch leben“, sagte sie zu ihren Beweggründen, an der Demo in Moskau teilzunehmen. Zwei Männer um die 30 stellten resigniert fest: „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo es um alles oder nichts geht. Wir kämpfen in erster Linie für unsere Zukunft. Das ist unser einziges Ziel.“

Auf…