Filmfestivals sind seit jeher das Herz der Filmkultur. Bei Vorführungen, Pressekonferenzen, Fragerunden und Preisverleihungen zeichnen sich Trends ab und tauschen sich Filmschaffende mit ihrem Publikum aus. Auf Festivals beginnen wichtige Kollaborationen und große wie kleine Karrieren im Film – nach wie vor eine der beliebtesten Kunstformen unserer Zeit. 

Seit Beginn der COVID-Pandemie steht die ganze Filmbranche unter gewaltigem Druck. Die ganze Filmbranche? Nein. Denn die Streamingdienste zeichnen sich seit Monaten als die großen Gewinner dieser Jahrhundertkatastrophe ab. Das kurze, prägnante Intro vor Filmen und Serien des Streamingdienstes Netflix ist vermutlich der weltweit meistgehörte Ton des Jahres 2020 – neben dem Schnarchen des Partners auf dem Sofa. 

Turbulente Zeiten und neue Wege

Die aktuellen Kontaktbeschränkungen haben auch die 42. Ausgabe eines der renommiertesten deutschen Filmfestivals eingeholt: Zum ersten Mal hat der 1980 gegründete Max Ophüls Preis komplett im Netz stattgefunden. Das Festivalteam um die beiden Geschäftsführer Svenja Böttger und Thomas Brück und den künstlerischen Leiter Oliver Baumgarten musste immense Anstrengungen leisten, um das zu ermöglichen. 

Filmstill aus dem Eröffnungsfilm „A Black Jesus“ von Luca Lucchesi

Das aktuelle Team führt den Max Ophüls Preis durch seine vermutlich turbulenteste Zeit: Die Pandemie macht Kinos das Leben noch schwerer, als es ohnehin schon ist, Streamingdienste gerieren sich seit einiger Zeit auch bei Weltpremieren als die neuen Platzhirsche. Was für eine Rolle kann und soll ein Filmfestival wie der Max Ophüls Preis in solchen Zeiten spielen?

Oliver Baumgarten hat eine klare Antwort darauf: „Ganz wichtig ist für uns, dass wir in diesen Zeiten nicht komplett auf Kultur verzichten müssen, dass wir ins Gespräch kommen über Kultur. Der andere Punkt ist, dass wir den jungen Filmschaffenden die Möglichkeit geben, trotz all dieser Hindernisse der Pandemie auf sich aufmerksam…