Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ob der Präsident der Vereinigten Staaten wirklich der »mächtigste Mann der Welt« ist, wie es immer heißt, daran darf man zweifeln. Am Mittwoch aber zeigte sich, dass in der Formulierung etwas Wahres steckt: Ein paar wenige Zeilen von Joe Biden, verpackt als executive order, reichten aus, um den zweitgrößten Treiber der Klimakrise zurück in das Abkommen von Paris zu führen. Der Schritt kann in seiner Bedeutung kaum überschätzt werden, denn die weltweiten Klimaziele einzuhalten, wäre ohne einen entsprechenden Beitrag der USA nahezu unmöglich geworden. 

Einer der wahrscheinlich wichtigsten Schritte für erfolgreichen Klimaschutz in dieser Dekade ist damit gemacht. Wo wir aber 2030 oder gar 2050 stehen werden, ist deshalb nicht geklärt. Und das hängt nicht nur an der Frage, wie viele der Versprechen Biden und die anderen Staatschefs tatsächlich umsetzen, sondern auch an den Ankündigungen selbst. 

Macht Biden Ernst, stellt er die Weichen dafür, dass die USA im Jahr 2050 »netto« keine Emissionen mehr ausstoßen. Die EU, China und viele andere Staaten haben Ähnliches angekündigt.

Doch »netto null« Emissionen heißt nicht nichts. In dem Maße, in dem der Druck steigt, Industrien, die Landwirtschaft und die Mobilität rasch zu dekarbonisieren, rücken Möglichkeiten wieder stärker in den Blickpunkt, dies nicht nur über CO2-Vermeidung schaffen zu müssen. Hinzu kommt, dass sich gar nicht alle Treibhausgase auf klassischem Wege unterbinden lassen. 

In den kommenden Jahren darf die Menschheit insgesamt noch maximal 400 Milliarden Tonnen CO₂ in der Atmosphäre entsorgen, um die Erde nicht um mehr als 1,5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit aufzuheizen. Heute gelangen weltweit pro Jahr etwa 37 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Damit wäre das Budget in zehn Jahren aufgebraucht.

Also suchen Staaten und Unternehmen verstärkt nach Wegen, Emissionen auszugleichen oder deren Weg in die Atmosphäre zu stoppen,…