Liebe Leserinnen, liebe Leser,

fühlen Sie sich in den letzten Wochen auch manchmal wie in einer Zeitschleife gefangen? Die Fallzahlen sinken, die Fallzahlen steigen, Bund und Länder tagen, der Shutdown wird verlängert, die Maßnahmen weiter verschärft. Ein ums andere Mal.

Es ist nicht verwunderlich, dass in diesem scheinbaren Endlos-Loop die Sehnsucht nach Experten wächst, die mit ihren Aussagen anscheinend einen Ausweg anzubieten haben.

In dieser Woche war das im Vorfeld der Ministerpräsidentenkonferenz zu beobachten, und auch wir sind davor nicht gefeit. Es gab Rufe, zu den Beratungen auch Forscher hinzuzuziehen, die sich dem wissenschaftlichen Konsens in Fragen der Coronabekämpfung widersetzen. Die Pandemie hat in ihrem Verlauf ja einige dieser scheinbaren Revoluzzer hervorgebracht. Hendrik Streek zum Beispiel, oder Klaus Stöhr. Von den vielen anderen Medizinern, die von Epidemiologie und vor allem dem SARS-Virus keine Ahnung haben und zumindest kurzzeitig mit streitbaren Thesen in den Corona-Diskussionen nach oben gespült wurden, ganz zu schweigen.

»False Balance« oder falsche Gleichgewichtung heißt das Prinzip, bei dem Minderheitenmeinungen in der Forschung zu viel Raum in der Berichterstattung eingeräumt wird und damit der Eindruck entsteht, sie wären gleichbedeutend mit dem wissenschaftlichen Konsens.

Pluralismus ist in gesellschaftlichen Debatten wünschenswert und wichtig. In der Wissenschaft kann er gefährlich sein. Wenn sich viele Wissenschaftler nach ihren Forschungen einig sind, ist das gerade in Krisenzeiten wie diesen immer die bessere Entscheidungsgrundlage. Auch, wenn das eine weiter Schleife bedeutet.

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Die neue Shutdown-Staffel

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