Es ist unklar, was Alexej Nawalny von all den Menschen mitbekommen wird, die an diesem Wochenende für seine Freilassung demonstrieren wollen. Ihr Lärm wird nicht in die »Matrosenstille« dringen, wie jenes berüchtigte Untersuchungsgefängnis heißt, in dem der Politiker derzeit einsitzt. Und was ihm sein Fernsehgerät zeigen wird, ist ungewiss. Die Kremlsender berichten kaum über ihn. Schon die Nennung seines Namens wird ängstlich vermieden.

Wladimir Putins radikalster politischer Gegner ist zurück in Russland bei seinen Anhängern, und er ist es zugleich nicht. Das ist die seltsame Lage seit Sonntag. Einerseits ist Nawalny aus Deutschland zurückgekehrt, wo er sich fünf Monate lang von einem Giftanschlag erholt hatte, der aller Wahrscheinlichkeit nach vom Geheimdienst FSB verübt worden war. Seine Rückkehr war ein Signal an den Kreml, aber mehr noch an die Landsleute: Ich fürchte mich nicht, ich kehre zurück in die Höhle des Löwen.

Und doch ist Nawalny nun weiter von den Russen entfernt, als er es in Deutschland je war. Denn hier stand er in engem Kontakt mit seinen Mitstreitern. Nun aber hat der Kreml den Rückkehrer isoliert. Sein Flugzeug wurde umgelenkt, Nawalny festgenommen und noch auf der Polizeiwache von einem bizarren Schnellgericht abgeurteilt – alles, um den Kontakt mit seinem Umfeld zu unterbinden.