Als Joe Biden um Mittwoch um 15.45 Uhr (Ortszeit) gemeinsam mit seiner Frau Jill die Stufen zum Weißen Haus emporstieg, war ihm die Erleichterung anzumerken, dass er es endlich geschafft hatte. Der heftige Wahlkampf, so dreckig wie keiner zuvor, gegen seinen Vorgänger Donald Trump lag hinter ihm, wird bald nur noch eine Erinnerung sein. Dessen Eskapaden und Tabubrüche dauerten bis zu eben diesem Tage an: Als erster Präsident in 152 Jahren blieb Trump der Amtseinführung seines Nachfolgers fern.

Umso festlicher geriet die Inauguration des neuen, des 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Joe Biden, und seiner Vizepräsidentin, Kamala Harris. Wegen der Corona-Beschränkungen war es keine Veranstaltung vor einem Millionenpublikum – im Gegenteil: die „Mall“ vor dem Kapitol musste diesmal leerbleiben – , doch Superstars wie Lady Gaga, die die Nationalhymne sang, und Jennifer Lopez sorgten dann doch den nötigen Glanz.

Superstar Lady Gaga sang die Nationalhymne „Star-Spangled Banner“

Angesichts der Ausschreitungen vor zwei Wochen mit dem Sturm auf das Kapitolwaren die Sicherheitsvorkehrungen radikal verschärft worden. Rund 25.000 Nationalgardisten patroullierten in der Hauptstadt, um Übergriffe enttäuschter und wütender Trump-Anhänger im Umfeld der Zeremonie von vornherein zu unterbinden.

Beginn einer neuen Zeit

Um kurz vor zwölf hatte in den USA eine neue Zeit begonnen: Joe Biden trat nach dem Ablegen des Amtseides vor das Mikrofon und hielt seine Antrittsrede, die in jeder Hinsicht einen tiefgreifenden Kontrast markierte zum Ton, den der an diesem Tag aus dem Amt geschiedene Donald Trump in den vergangenen Jahren angeschlagen hatte.

Zentrale Begriffe seiner Rede an die Nation und an die Welt waren Einheit, Zuversicht und Aufbruch. Biden erinnerte sein Zuhörer gleich zu Beginn an die Lehren der vergangenen Wochen, als den Amerikanern durch den Sturm des Kapitols brutal vor Augen geführt worden war, wie zerbrechlich auch die amerikanische Demokratie ist….