Vier Monate nach seiner Überstellung aus den USA nach Deutschland ist Oliver Schmidt aus der Haft entlassen worden. Das Landgericht Lüneburg setzte die Strafe zu Wochenbeginn auf Bewährung aus und folgte damit einem Antrag des ehemaligen VW-Managers. Seit dem heutigen Mittwochmittag ist Schmidt nun auf freiem Fuß, bestätigten seine Anwälte dem SPIEGEL. Er hat sich um 15 Uhr in sein Zuhause begeben.

Die US-Justiz hatte Schmidt vorgeworfen, den amerikanischen Umweltbehörden in der Dieselaffäre nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Schmidt war nach seiner Verhaftung im Januar 2017 in Miami zu einer Haftstrafe von sieben Jahren sowie einer Geldstrafe von 400.000 Dollar verurteilt worden. Ursprünglich hatte ihm die Justiz 169 Jahre Haft angedroht, die Strafe jedoch reduziert, nachdem Schmidt ein Geständnis abgelegt hatte.

Im Gefängnis in der US-Stadt Milan im Bundesstaat Michigan kämpfte Schmidt schon seit Jahren für eine Überstellung nach Deutschland. Die wurde ihm 2020 gestattet, Ende September kehrte er nach Deutschland zurück. Zuletzt saß Schmidt in der Justizvollzugsanstalt im niedersächsischen Uelzen.

Schmidt war neben seinem US-Kollegen James Liang der einzige VW-Mitarbeiter, der bislang in der Dieselaffäre ins Gefängnis musste. Auch Liang wurde mittlerweile nach Deutschland überstellt, seine Haftstrafe wurde auf Bewährung ausgesetzt.

Der VW-Konzern vertritt seit Ausbruch der Dieselaffäre im September 2015 die Ansicht, der Betrug an Millionen von Dieselkunden sei nur das Werk von Führungskräften und Ingenieuren unterhalb der Vorstandsebene gewesen. Der Konzern hat dem langjährigen Mitarbeiter Schmidt fristlos gekündigt, VW streitet sich mit ihm vor dem Arbeitsgericht.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hingegen glaubt, auch die VW-Spitze sei in den Dieselbetrug involviert gewesen. Ab 25. Februar muss sich der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Landgericht Braunschweig verantworten. Winterkorn…