„Der Gerechtigkeit ist Genüge getan worden. Die ganze internationale Gemeinschaft muss das verstehen“, sagte die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja in einem Exklusivinterview der DW. „Natürlich sagen einige, dass Sport und Politik zwei verschiedene Dinge sind. Aber wenn das Eis blutig ist, geht es nicht mehr um Sport.“

Am Montagabend hatten Opposition und Menschenrechtsorganisationen nach monatelanger Lobbyarbeit ihr gemeinsames Ziel erreicht: Der Eishockey-Weltverband IIHF entzog Belarus die Rolle als Co-Gastgeber der Weltmeisterschaft neben Lettland. Wegen des weiter andauernden harten Vorgehens von Machthaber Alexander Lukaschenko gegen oppositionelle Demonstranten war der Ruf immer lauter geworden, die WM nicht in der belarussischen Hauptstadt Minsk auszuspielen. 

Nicht hinter Corona-Pandemie versteckt

Die IIHF sprach von „Sicherheitsbedenken“. Auch wenn die Formulierung eher vage und vorsichtig war, zeigte sich Tichanowskaja mit der Begründung zufrieden. „Wir hatten erwartet, dass es schlimmer käme, dass sie sagen würden, es sei wegen COVID-19“, sagte die Präsidentschaftskandidatin der Opposition, die nach der Wahl in Weißrussland im vergangenen August nach Litauen geflohen war und sich seitdem dort aufhält.

Spiky, das offizielle Maskottchen der Eishockey-WM 2021

Im Vorfeld war spekuliert worden, dass sich die IIHF bei einer Absage an Weißrussland hinter der Corona-Pandemie verstecken könnte, um ihrer offiziellen Position gerecht zu werden, unpolitisch zu sein. Immerhin nannte der Weltverband in seiner Erklärung „sowohl die zunehmenden politischen Unruhen als auch COVID-19“ als Gründe für die Entscheidung gegen Belarus.

Sponsoren-Drohung „wahrscheinlich ausschlaggebend“ 

Ales Bialatski vom Menschenrechtszentrum Viasna – er wurde 2020 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet, dem „Alternativen Nobelpreis“ – schlug bei einer virtuellen Pressekonferenz einen ähnlichen Ton an wie Tichanowskaja. Auch er bezeichnete die…