Es gibt im Kampfsport, beim Ringen genauso wie im Käfigkampf, den Kämpfertyp des »Grinders«. Der Begriff kommt vom englischen Verb »to grind«, was wörtlich bedeutet: mahlen, zerreiben. Der Grinder fällt nicht durch spektakuläre Aktionen auf, er zielt nicht auf den schnellen K.o., sondern zermürbt seine Gegner langsam, kontinuierlich, mit großer Ausdauer. Man unterschätzt ihn leicht, gerade deswegen ist er ein unangenehmer Gegner.

Und so einer ist jetzt Vorsitzender der CDU.

Armin Laschet hat sich im Rennen um den CDU-Vorsitz ein Jahr lang geweigert, so etwas wie Wahlkampf zu machen. Er hat sich in der Coronakrise Pannen, schwache Auftritte und Aussetzer geleistet, hat das Gerede ertragen, die Spekulationen, ob an seiner Stelle nicht besser Jens Spahn Vorsitzender werden sollte. Dann hat er am Samstag die Rede seines Lebens gehalten und gewonnen.

Kohl hat Probleme ausgesessen, Laschet sitzt Gegner aus

Laschet hat insgesamt nicht allzu viel mit Helmut Kohl gemein, eines aber schon: die Methode des Aussitzens. Kohl hat Probleme ausgesessen, Laschet sitzt Gegner aus. Er hat diese Methode im Lauf seiner Karriere perfektioniert, er ist damit in mehrere Parlamente eingezogen, Ministerpräsident geworden, und jetzt steht er kurz vor dem Gipfel. Denn seit diesem Samstag ist klar: Er kann es damit auch ins Kanzleramt schaffen.

»Ich bin vielleicht nicht der Mann der perfekten Inszenierung, aber ich bin Armin Laschet«, so hat er es in seiner Rede gesagt. Das war ein kleiner Gruß nach München, wo Markus Söder nun weiß, mit wem er sich über die Kanzlerkandidatur einigen muss. Söder ist politisches Tier genug, um zu wissen: Das wird hart.

Für Söder sprechen vor allem dessen Umfragewerte, er liegt da meilenweit vor Laschet, eigentlich müsste die Sache klar sein. Ist sie aber nicht.

Will Laschet Kanzlerkandidat werden, muss er nur ruhig bleiben

Laschets Werte dürften nach dieser Wahl und seinem starken Auftritt beim Parteitag nach oben gehen. Er wird dann mutmaßlich noch…